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Bayern barrierefrei

Ein Tag im Leben von ... Irmgard Badura.

München, September 2015. Das Thema Barrierefreiheit bewegt Irmgard Badura beruflich und privat. Als Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung rüttelt sie von Amts wegen an Barrieren in Räumen und Köpfen. Ganz persönlich berührt sie das Thema, weil sie wegen einer Netzhaut-Erkrankung stark sehbehindert ist. Auf ihrem täglichen Arbeitsweg stößt sie auf vielerlei Barrieren – aber auch auf immer mehr gelungene barrierefreie Lösungen.

Auf einen Blick

Porträtfoto von Irmgard Badura; im Hintergrund ist die Halle des Münchner Hauptbahnhofs zu sehen.

Steckbrief Irmgard Badura

Seit 2009 ist Irmgard Badura die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. Vorher war die Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin u. a. beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. tätig. Irmgard Badura hat von Geburt an eine degenerative Netzhaut-Erkrankung. Heute hat sie eine Sehkraft von zwei Prozent. Ihr Gesichtsfeld ist, wie sie sagt, „auf ein Schlüsselloch“ verengt.

Meine Meinung ...

„Barrierefreiheit bedeutet für mich zweierlei. Zum einen Gleichberechtigung: Persönliche Merkmale machen keinen Unterschied mehr. Und zum anderen: Jeder Mensch kann sein Leben individuell gestalten. Beruf, Familiengründung, Engagement in Gesellschaft und Politik, Hobbys, Reisen … Wenn die Umgebung nicht barrierefrei gestaltet werden kann, dann hilft eben eine Assistenz. Wir sind Menschen – miteinander das Leben zu gestalten, gehört dazu.“

Kommen Sie mit!

09:39 Uhr

Irmgard Badura steigt aus einem Zug.

„Ich lebe in Nürnberg. Wenn ich keine Termine auswärts habe, fahre ich morgens mit dem Zug nach München, in mein Büro im Bayerischen Sozialministerium.“

09:39 Uhr

Irmgard Badura hat den Zug verlassen und orientiert sich mit dem Langstock.

„Am Bahnsteig am Münchner Hauptbahnhof ertaste ich mit dem Langstock diese gerillten Bodenplatten …“

09:39 Uhr

Irmgard Badura folgt dem taktilen Bodenleitsystem bis zum Anfang des Bahnsteigs.

„… Korrekt heißt diese Rillenspur: taktiles Bodenleitsystem. Hier führt es, mit einem Sicherheitsabstand zur Kante, den gesamten Bahnsteig entlang und hilft blinden und sehbehinderten Menschen bei der Orientierung.“

09:41 Uhr

Irmgard Badura durchquert die Bahnhofshalle.

„Zwischen den Bahnsteigen und dem Abgang zum Zwischengeschoss gibt es noch kein Leitsystem. Ich kann starke Hell-Dunkel-Kontraste erkennen. Wenn es draußen richtig hell ist, richte ich mich nach dem Licht, das durch das große Fenster über der Treppe zum Zwischengeschoss fällt. Scheint kein Tageslicht mehr hindurch, fehlt mir diese `Zielmarke´ komplett.“

09:44 Uhr

Irmgard Badura auf der ersten Stufe einer Treppe, die ins Bahnhofs-Zwischengeschoss führt.

„Ab hier wird es einfacher. Im Zuge der Renovierung wurde das Zwischengeschoss im Münchner Hauptbahnhof richtig gut barrierefrei gestaltet …“

09:45 Uhr

Eine Treppe mit einer tastbaren Markierung an der untersten Stufe.

„Die jeweils erste und letzte Treppenstufe haben eine gut sichtbare und tastbare Markierung.“

09:51 Uhr

Irmgard Badura unterwegs im Bahnhofs-Zwischengeschoss. Sie folgt einem taktilen Leitsystem.

„Das gesamte Zwischengeschoss durchzieht ein Leitsystem. Die gerillten Bodenplatten zeigen mir, dass der Weg geradeaus führt. Unterwegs orientiere ich mich auch an Geräuschen. Eben sind wir an einem Bäcker vorbeigekommen, ich habe das Rascheln der Brötchentüten beim Einpacken gehört. Ein kalter Luftzug ist ein Signal, dass ich mich einem Ausgang nähere.“

09:51 Uhr

Nahaufnahme des Leitsystems: Der gerillte Streifen mündet in ein rechteckiges Feld mit runden Noppen.

„Wenn die Rillen in eine Bodenplatte mit Noppen münden, dann weiß ich: Achtung, hier ist z. B. eine Abzweigung, ein Hindernis oder, im Freien, auch eine Bus- oder Trambahn-Haltestelle. Diese genoppten Platten heißen deshalb Aufmerksamkeitsfelder.“

10:15 Uhr

Irmgard Badura betritt ein Gebäude durch eine Sicherheits-Drehtür.

„Mein Team und ich haben unsere Büros im Bayerischen Sozialministerium. Am Vordereingang wacht ein Pförtner, hier, am hinteren Eingang, eine automatische Drehtür. Man muss seine Zugangskarte vor dieses Kästchen halten … Gar nicht so einfach, das zu finden. Ah, jetzt ist die Drehtür entriegelt.“

10:15 Uhr

Irmgard Badura geht an einem Getränke-Automaten vorbei.

„Hören Sie das Brummen? Auf dem Weg durchs Erdgeschoss des Sozialministeriums orientiere ich mich am Geräusch des Getränke-Automaten. Genau hier zweigt der Gang zu meinem Büro ab.“

10:15 Uhr

Eine Hand ertastet die Braille-Aufschrift auf einem Schild.

„Türschilder sind in Druckschrift und in tastbarer Punktschrift beschriftet.“

10:15 Uhr

Irmgard Badura läuft durch einen Gang; mit ihrer rechten Hand berührt sie leicht die Wand.

„In den langen Fluren des Gebäudes lege ich eine Hand auf die Wand. So geht’s am schnellsten.“

10:20 Uhr

Nahaufnahme: Abdrücke von zwei kleinen Händen

„Willkommen in meinem Büro! Die Bilder an den Wänden sind eher für meine Gäste. Meine Nichten haben mir diese beiden Rahmen mit ihren Handabdrücken geschenkt.“

10:20 Uhr

Nahaufnahme: Hände auf einer Braille-Zeile.

„Bei Besprechungen mache ich mir Notizen mit meiner Braille-Zeile. Ich kann sie auch an den Computer anschließen. Dann überträgt sie z. B. E-Mails, Dokumente und die Inhalte von Websites in tastbare Braille-Zeichen.
Apropos: Jetzt wird gearbeitet. Wir sehen uns heute Abend wieder!“

18:00 Uhr

Irmgard Badura auf einer Treppe mit Natursteinpflaster im Außenbereich.

„Auch nach einem intensiven Arbeitstag kann ich nicht entspannt zur Bushaltestelle schlendern. Im Gegenteil, jetzt ist noch einmal volle Konzentration gefragt. Unaufmerksamkeit kann ich mir nicht leisten, wenn ich alleine unterwegs bin.“

18:05 Uhr

Irmgard Badura an einer Blindenampel.

„Ist Ihnen aufgefallen, dass immer mehr Ampeln dieses Tock-Tock-Geräusch von sich geben? Es weist blinden und sehbehinderten Menschen den Weg zur Ampel. Der Straßenverkehr übertönt leider oft dieses akustische Signal. Noch lautere Signale stören die Anwohner … Das Beispiel zeigt: Barrierefreiheit bedeutet, immer wieder Kompromisse auszuhandeln.“

18:05 Uhr

Nahaufnahme einer Blindenampel von unten. Eine Hand liegt auf der Pfeiltaste.

„Fassen Sie mal hin, wenn Sie das nächste Mal an einer Blindenampel stehen: An der Unterseite des gelben Kästchens können Sie einen Pfeil ertasten. Er zeigt blinden und sehbehinderten Menschen die Gehrichtung an. Drücken Sie die Pfeiltaste und lassen Sie die Hand darauf ruhen. Sobald die Ampel auf Grün für Fußgänger schaltet, spüren Sie ein Vibrieren; teilweise ertönt auch ein Signalton.“

18:15 Uhr

Irmgard Badura tritt vom Gehweg auf eine Fahrradspur. Fuß- und Radweg sind sichtbar, aber nicht taktil erfassbar voneinander abgesetzt.

„Hier sehen Sie ein häufiges Problem: Der Radweg ist nicht deutlich – z. B. durch eine ertastbare Markierung oder einen Bordstein – vom Gehweg abgesetzt. So kommt es leicht zu Zusammenstößen von Radlern und blinden oder sehbehinderten Menschen. Eine barrierefreie Lösung wäre z. B. eine Markierung mit Noppenplatten.“

18:20 Uhr

Irmgard Badura steigt in eine Straßenbahn ein.

„Oft bieten mir Menschen z. B. in der Straßenbahn einen Sitzplatz an. Das ist sehr nett, aber gar nicht nötig. Ich hab’s ja nicht in den Beinen.“

18:30 Uhr

Irmgard Badura läuft an einer Reihe geparkter Fahrräder vorbei. Dabei streift sie ein Fahrrad, das aus der Reihe hervorragt.

„Noch eine typische Barriere: `Wild´ geparkte Fahrräder. Kaum jemand denkt beim Fahrrad-Abstellen daran, dass ein Fußgänger das Rad vielleicht nicht sehen könnte. Vielleicht denken ja künftig mehr Leute mit: das wäre prima.“

18:30 Uhr

Ein Langstock mit Keramik-Spitze tippt auf Noppenpflaster.

„Mein Langstock hat eine Keramik-Spitze. Sie macht ein ziemlich lautes Geräusch, wenn sie auf den Boden trifft. Das hilft mir bei der Orientierung. Und Passanten hören das Geräusch und werden auf mich aufmerksam.“

18:30 Uhr

Irmgard Badura unterwegs im Bahnhofs-Zwischengeschoss. Sie folgt dem Bodenleitsystem.

„So, jetzt habe ich das Bahnhofs-Zwischengeschoss fast durchquert. Die Noppenplatte signalisiert mir, dass die lange Strecke geradeaus hier endet und gleich die Treppe in die Bahnhofshalle beginnt.“

18:35 Uhr

Irmgard Badura an der Theke eines Bäckerei-Verkaufsstandes in der Bahnhofshalle.

„Es gibt so viele leckere Angebote in den Bahnhöfen ... Aber wenn ich Appetit auf einen Snack für den Heimweg habe, müsste ich andere Menschen ansprechen und sie bitten, mich zu einem der Shops zu begleiten. Vorher müsste ich ihnen schildern, worauf ich ungefähr Lust habe, damit sie mich zum passenden Stand führen. Dort wiederum sollte ich schon ziemlich genau beschreiben, was ich essen möchte, damit die Verkäuferin mir nicht das gesamte Sortiment aufzählen muss. Da verzichte ich oft lieber.“

18:35 Uhr

Toiletten-Wegweiser an einer Wand.

„Ganz heikel ist es, wenn blinde oder sehbehinderte Menschen an einem Ort, der ihnen nicht vertraut ist, zur Toilette müssen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen wildfremden Menschen z. B. in einem Bahnhof anhalten und bitten, Sie zur Toilette zu begleiten. Puh …!“

18:35 Uhr

Nahaufnahme: Mess-Schiene (Schablone) zum Erkennen von Geldscheinen.

„Kleine Helfer habe ich immer dabei. Schauen Sie mal: Wenn ich einen Geldschein um diese Schablone falte, kann ich ertasten, welchen Wert er hat. Ähnlich handlich ist meine Unterschriftenschablone. Sie hilft mir, meine Unterschrift sauber in Schwarzschrift zu setzen. Schwarzschrift? Das ist die Schrift, die sehende Menschen verwenden – im Gegensatz zur tastbaren Braille-Schrift für blinde Menschen.“

18:50 Uhr

Porträtfoto von Irmgard Badura; im Hintergrund ist die Halle des Münchner Hauptbahnhofs zu sehen.

„Jetzt freue ich mich auf eine entspannte Zugfahrt. Und natürlich auf ein barrierefreies Bayern!“

 

TIPP:

Mehr erfahren über Irmgard Badura: zur Website der Bayerischen Behindertenbeauftragten

Irmgard Badura steigt aus einem Zug.

„Ich lebe in Nürnberg. Wenn ich keine Termine auswärts habe, fahre ich morgens mit dem Zug nach München, in mein Büro im Bayerischen Sozialministerium.“

Irmgard Badura hat den Zug verlassen und orientiert sich mit dem Langstock.

„Am Bahnsteig am Münchner Hauptbahnhof ertaste ich mit dem Langstock diese gerillten Bodenplatten …“

Irmgard Badura folgt dem taktilen Bodenleitsystem bis zum Anfang des Bahnsteigs.

„… Korrekt heißt diese Rillenspur: taktiles Bodenleitsystem. Hier führt es, mit einem Sicherheitsabstand zur Kante, den gesamten Bahnsteig entlang und hilft blinden und sehbehinderten Menschen bei der Orientierung.“

Irmgard Badura durchquert die Bahnhofshalle.

„Zwischen den Bahnsteigen und dem Abgang zum Zwischengeschoss gibt es noch kein Leitsystem. Ich kann starke Hell-Dunkel-Kontraste erkennen. Wenn es draußen richtig hell ist, richte ich mich nach dem Licht, das durch das große Fenster über der Treppe zum Zwischengeschoss fällt. Scheint kein Tageslicht mehr hindurch, fehlt mir diese `Zielmarke´ komplett.“

Irmgard Badura auf der ersten Stufe einer Treppe, die ins Bahnhofs-Zwischengeschoss führt.

„Ab hier wird es einfacher. Im Zuge der Renovierung wurde das Zwischengeschoss im Münchner Hauptbahnhof richtig gut barrierefrei gestaltet …“

Eine Treppe mit einer tastbaren Markierung an der untersten Stufe.

„Die jeweils erste und letzte Treppenstufe haben eine gut sichtbare und tastbare Markierung.“

Irmgard Badura unterwegs im Bahnhofs-Zwischengeschoss. Sie folgt einem taktilen Leitsystem.

„Das gesamte Zwischengeschoss durchzieht ein Leitsystem. Die gerillten Bodenplatten zeigen mir, dass der Weg geradeaus führt. Unterwegs orientiere ich mich auch an Geräuschen. Eben sind wir an einem Bäcker vorbeigekommen, ich habe das Rascheln der Brötchentüten beim Einpacken gehört. Ein kalter Luftzug ist ein Signal, dass ich mich einem Ausgang nähere.“

Nahaufnahme des Leitsystems: Der gerillte  Streifen mündet in ein rechteckiges Feld mit runden Noppen.

„Wenn die Rillen in eine Bodenplatte mit Noppen münden, dann weiß ich: Achtung, hier ist z. B. eine Abzweigung, ein Hindernis oder, im Freien, auch eine Bus- oder Trambahn-Haltestelle. Diese genoppten Platten heißen deshalb Aufmerksamkeitsfelder.“

Irmgard Badura betritt ein Gebäude durch eine Sicherheits-Drehtür.

„Mein Team und ich haben unsere Büros im Bayerischen Sozialministerium. Am Vordereingang wacht ein Pförtner, hier, am hinteren Eingang, eine automatische Drehtür. Man muss seine Zugangskarte vor dieses Kästchen halten … Gar nicht so einfach, das zu finden. Ah, jetzt ist die Drehtür entriegelt.“

Irmgard Badura geht an einem Getränke-Automaten vorbei.

„Hören Sie das Brummen? Auf dem Weg durchs Erdgeschoss des Sozialministeriums orientiere ich mich am Geräusch des Getränke-Automaten. Genau hier zweigt der Gang zu meinem Büro ab.“

Eine Hand ertastet die Braille-Aufschrift auf einem Schild.

„Türschilder sind in Druckschrift und in tastbarer Punktschrift beschriftet.“

Irmgard Badura läuft durch einen Gang; mit ihrer rechten Hand berührt sie leicht die Wand.

„In den langen Fluren des Gebäudes lege ich eine Hand auf die Wand. So geht’s am schnellsten.“

Nahaufnahme: Zwei kleine Bilderrahmen; darin die Abdrücke von Kinderhänden

„Willkommen in meinem Büro! Die Bilder an den Wänden sind eher für meine Gäste. Meine Nichten haben mir diese beiden Rahmen mit ihren Handabdrücken geschenkt.“

Nahaufnahme: Hände auf einer Braille-Zeile.

„Bei Besprechungen mache ich mir Notizen mit meiner Braille-Zeile. Ich kann sie auch an den Computer anschließen. Dann überträgt sie z. B. E-Mails, Dokumente und die Inhalte von Websites in tastbare Braille-Zeichen.

Apropos: Jetzt wird gearbeitet. Wir sehen uns heute Abend wieder!“

Irmgard Badura auf einer Treppe mit Natursteinpflaster im Außenbereich.

„Auch nach einem intensiven Arbeitstag kann ich nicht entspannt zur Bushaltestelle schlendern. Im Gegenteil, jetzt ist noch einmal volle Konzentration gefragt. Unaufmerksamkeit kann ich mir nicht leisten, wenn ich alleine unterwegs bin.“

Irmgard Badura an einer Blindenampel

„Ist Ihnen aufgefallen, dass immer mehr Ampeln dieses Tock-Tock-Geräusch von sich geben? Es weist blinden und sehbehinderten Menschen den Weg zur Ampel. Der Straßenverkehr übertönt leider oft dieses akustische Signal. Noch lautere Signale stören die Anwohner … Das Beispiel zeigt: Barrierefreiheit bedeutet, immer wieder Kompromisse auszuhandeln.“

Nahaufnahme einer Blindenampel von unten. Eine Hand liegt auf der Pfeiltaste.

„Fassen Sie mal hin, wenn Sie das nächste Mal an einer Blindenampel stehen: An der Unterseite des gelben Kästchens können Sie einen Pfeil ertasten. Er zeigt blinden und sehbehinderten Menschen die Gehrichtung an. Drücken Sie die Pfeiltaste und lassen Sie die Hand darauf ruhen. Sobald die Ampel auf Grün für Fußgänger schaltet, spüren Sie ein Vibrieren; teilweise ertönt auch ein Signalton.“

Irmgard Badura tritt vom Gehweg auf eine Fahrradspur. Fuß- und Radweg sind sichtbar, aber nicht taktil erfassbar voneinander abgesetzt.

„Hier sehen Sie ein häufiges Problem: Der Radweg ist nicht deutlich – z. B. durch eine ertastbare Markierung oder einen Bordstein – vom Gehweg abgesetzt. So kommt es leicht zu Zusammenstößen von Radlern und blinden oder sehbehinderten Menschen. Eine barrierefreie Lösung wäre z. B. eine Markierung mit Noppenplatten.“

Irmgard Badura steigt in eine Straßenbahn ein.

„Oft bieten mir Menschen z. B. in der Straßenbahn einen Sitzplatz an. Das ist sehr nett, aber gar nicht nötig. Ich hab’s ja nicht in den Beinen.“

Irmgard Badura läuft an einer Reihe geparkter Fahrräder vorbei. Dabei streift sie ein Fahrrad, das aus der Reihe hervorragt.

„Noch eine typische Barriere: `Wild´ geparkte Fahrräder. Kaum jemand denkt beim Fahrrad-Abstellen daran, dass ein Fußgänger das Rad vielleicht nicht sehen könnte. Vielleicht denken ja künftig mehr Leute mit: das wäre prima.“

Ein Langstock mit Keramik-Spitze tippt auf Noppenpflaster.

„Mein Langstock hat eine Keramik-Spitze. Sie macht ein ziemlich lautes Geräusch, wenn sie auf den Boden trifft. Das hilft mir bei der Orientierung. Und Passanten hören das Geräusch und werden auf mich aufmerksam.“

 Irmgard Badura unterwegs im Bahnhofs-Zwischengeschoss. Sie folgt dem Bodenleitsystem.

„So, jetzt habe ich das Bahnhofs-Zwischengeschoss fast durchquert. Die Noppenplatte signalisiert mir, dass die lange Strecke geradeaus hier endet und gleich die Treppe in die Bahnhofshalle beginnt.“

Irmgard Badura an der Theke eines Bäckerei-Verkaufsstandes in der Bahnhofshalle.

„Es gibt so viele leckere Angebote in den Bahnhöfen ... Aber wenn ich Appetit auf einen Snack für den Heimweg habe, müsste ich andere Menschen ansprechen und sie bitten, mich zu einem der Shops zu begleiten. Vorher müsste ich ihnen schildern, worauf ich ungefähr Lust habe, damit sie mich zum passenden Stand führen. Dort wiederum sollte ich schon ziemlich genau beschreiben, was ich essen möchte, damit die Verkäuferin mir nicht das gesamte Sortiment aufzählen muss. Da verzichte ich oft lieber.“

Toiletten-Wegweiser an einer Wand

„Ganz heikel ist es, wenn blinde oder sehbehinderte Menschen an einem Ort, der ihnen nicht vertraut ist, zur Toilette müssen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen wildfremden Menschen z. B. in einem Bahnhof anhalten und bitten, Sie zur Toilette zu begleiten. Puh …!“

Nahaufnahme: Mess-Schiene (Schablone) zum Erkennen von Geldscheinen.

„Kleine Helfer habe ich immer dabei. Schauen Sie mal: Wenn ich einen Geldschein um diese Schablone falte, kann ich ertasten, welchen Wert er hat. Ähnlich handlich ist meine Unterschriftenschablone. Sie hilft mir, meine Unterschrift sauber in Schwarzschrift zu setzen. Schwarzschrift? Das ist die Schrift, die sehende Menschen verwenden – im Gegensatz zur tastbaren Braille-Schrift für blinde Menschen.“

Porträtfoto von Irmgard Badura; im Hintergrund ist die Halle des Münchner Hauptbahnhofs zu sehen.

„Jetzt freue ich mich auf eine entspannte Zugfahrt. Und natürlich auf ein barrierefreies Bayern!“

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