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Bayern barrierefrei

Digitale Barrierefreiheit: bringt alle Menschen weiter

Unsere Welt wird immer digitaler. Wir alle nutzen immer mehr digitale Technik, im Alltag und im Beruf. Oft ist das aber gar nicht so einfach. Viele digitale Angebote sind nur schwer zu bedienen – also nicht nutzerfreundlich. Anders gesagt: Sie sind nicht barrierefrei. Digitale Barrieren schließen viele Menschen aus: Menschen mit Behinderung, alte Menschen, die „Generation Lesebrille“ und viele, die nicht als Digital Natives zur Welt kamen. Sind Websites, Apps, Online-Shops, elektronische Ticketsysteme oder das Smart Home dagegen barrierefrei gestaltet, fühlen sich die Nutzenden wohl. Sie kaufen entspannt ein, empfehlen das Angebot weiter, kommen gerne wieder. Davon profitieren auch die Anbieter! Das Ziel ist also klar: Machen wir digitale Angebote barrierefrei und damit so einfach bedienbar wie möglich!

Headerbild mit Schriftzug „Digitale Barrieren“.

Digital? Bitte kurz erklären!

Ursprünglich bedeutet „Digitalisierung“, dass z. B. ein Text, ein Foto oder eine Musikaufnahme als Datei abgespeichert wird. Auch die Verbreitung von Computern und Internetzugängen in Büros und Haushalten ist mit diesem Begriff gemeint.

Digitalisierung: der Mega-Mega-Trend

Doch „Digitalisierung“ heißt heute viel mehr: Es entsteht eine neue, digital vernetzte Welt. Nicht nur Computer, auch Geräte und Anlagen – vom Fahrkartenautomaten bis zu ganzen Fabriken – werden digital gesteuert. Und nicht nur Menschen vernetzen sich weltweit digital – auch viele Geräte tauschen untereinander Informationen aus. Ein „intelligenter“ Kühlschrank z. B. schickt automatisch eine Einkaufsliste ans Smartphone. Die Digitalisierung eröffnet ganz neue Möglichkeiten, sie beschleunigt Verfahren und macht sie wirkungsvoller. Diese Entwicklung wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus, z. B. auf Arbeitsleben, Handel, Medizin und Freizeit.

Die digitale Welt: Wer erschafft sie?

Es sind längst nicht nur Weltkonzerne, die digitale Produkte und Dienstleistungen entwickeln und mit ihnen Milliarden Euro umsetzen. Auch viele kleine und mittelständische Betriebe, Initiativen und Verbände schaffen digitale Angebote – z. B. Websites, Online-Shops und Apps. Oft sind es junge Unternehmen („Start-ups“), die digitale Dienstleistungen und digital gesteuerte Geräte entwickeln. Für sie alle ist der Erfolg ihres Produkts oder Angebots genauso wichtig wie für die ganz großen Firmen und Organisationen.

Unser Alltag: total digital

Eine Frau steuert ihr Fitness-Armband über eine Smartphone-App.

Sind Sie fit in der digitalen Welt? Oder scheitern Sie öfter an digitalen Anwendungen? Ein Trost: Oft liegt es nicht an Ihnen, wenn Sie Ihr (digitales) Ziel nicht erreichen. Sondern daran, dass das Angebot nicht barrierefrei ist.

Waren Sie heute schon online? Vermutlich:

  • Knapp 86 Prozent der Menschen ab zehn Jahren sind in Deutschland regelmäßig im Internet. 77 Prozent der Menschen, die regelmäßig das Internet nutzen, erledigen Einkäufe (auch) online (Stand: 2017). Daten zur Internetnutzung: zum Statistischen Bundesamt
  • 78 Prozent der Menschen ab 14 Jahren verwenden ein Smartphone (Stand: 2017). Umfrage zur Smartphone-Nutzung: zum Digitalverband Bitkom
  • Der Anteil von älteren Nutzerinnen und Nutzern steigt. Knapp ein Viertel der über 60-Jährigen nutzt das Internet inzwischen täglich. Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) beklagt jedoch: Die Menschen über 70 Jahren seien zu 83 Prozent „Offliner“. Damit seien sie nicht nur abgehängt von der digitalen Teilhabe, sondern oft auch von der sozialen. Mit Angeboten, die als „intuitiv bedienbar“ vermarktet würden, kämen ältere Menschen oft nicht zurecht. Sie erwarteten zusätzliche Erklärungen (Stand: 2016). Studie zur digitalen Lebenswelt der über 60-Jährigen: zum DIVSI
  • Mehr als 90 Apps haben die Menschen hierzulande im Schnitt auf ihrem Smartphone installiert, knapp 40 nutzen sie regelmäßig (Stand: 2017). Zur App-Marktanalyse von App Annie
  • Zunehmend verbindet das Smartphone nicht nur Menschen, sondern auch Geräte. Wir sprechen vom „Internet der Dinge“, wenn sich z. B. das Smartphone mit dem Auto, dem Fitnessarmband, dem Fernseher oder der Wohnzimmerleuchte vernetzt. Daten zur Smartphone-Nutzung: zum Digitalverband Bitkom
  • An der Ladenkasse zahlt fast jeder Zweite in Deutschland bar; andere schieben ihre EC-Karte in ein Lesegerät und geben ihre Geheimzahl ein oder unterschreiben die Quittung. Der Trend geht zurzeit zum „kontaktlosen“ Bezahlen. Dabei wird die EC-Karte oder das Smartphone einfach ans Terminal gehalten, innerhalb von Sekunden ist der Einkauf bezahlt (Stand: 2016). GfK-Umfrage zur Barzahlung: zum Bankenverband
  • Der Markt für digital vernetzte Anlagen und Geräte im eigenen Zuhause (Stichwort „Smart Home“) boomt. Bis 2022 erwartet die Branche einen Umsatz von mehr als vier Milliarden Euro (Stand: 2017). Daten zum Smart Home: zum Verband der Internetwirtschaft eco
  • „Industrie 4.0“ nennt man die weltweit vernetzte Arbeitswelt der Zukunft. Schon heute tauschen sich Anlagen untereinander aus – auch über Kontinente hinweg. Die Produktion wird immer flexibler; Kunden gestalten ihre Produkte mit, Maschinen melden sich, wenn sie neues Material brauchen und die idealen Lieferwege werden digital berechnet. Zur Plattform Industrie 4.0

Digitale Angebote: oft „exklusiv“. Leider!

Ein Mann bedient einen Fahrkartenautomaten.

Wer eine Fahrkarte am Automaten kauft, hat es meist eilig. Gut, wenn die Bedienung unkompliziert ist und die Schrift schön groß. Für Menschen, die nicht gut sehen oder eine eingeschränkte Feinmotorik haben, ist Barrierefreiheit auch beim Ticketkauf ein Muss.

Digitale Angebote können unser Leben bereichern. Oft sind sie aber sehr kompliziert zu bedienen. Dabei müssen wir im Alltag immer öfter Dinge mithilfe von Computern oder Automaten selbst erledigen: z. B. Fahrscheine kaufen, Geld überweisen oder Kinokarten bestellen. Gleichzeitig verschwindet die „alte“ Welt mit Hilfskräften, die uns zur Seite stehen. Wir sind also immer mehr auf digitale Technik angewiesen. Selbst jüngere Menschen tun sich manchmal schwer mit der Bedienung. Für die ältere Generation oder z. B. Menschen mit einer körperlichen, geistigen oder Sinnesbehinderung ist digitale Technik oft ein Hindernis, das sie nicht überwinden können. Das bedeutet: Sie werden von der Nutzung eines Angebots ausgeschlossen und müssen andere um Hilfe bitten. Das ist für die Betroffenen zumindest lästig, manchmal sogar entwürdigend.

Wer möchte schon am Ticketautomaten einem Fremden seine EC-Karte samt PIN anvertrauen?

Die Lösung: digitale Barrierefreiheit

Die gute Nachricht: Auch die digitale Welt kann barrierefrei gestaltet werden. Also so, dass (fast) alle Menschen die Angebote auch nutzen können. Der technische Fortschritt hilft dabei: Es gibt immer mehr Möglichkeiten, wie man Computer, Smartphones oder Automaten bedienen kann. Barrierefreie Benutzer-Schnittstellen machen es möglich, dass Menschen mit und ohne Behinderung digitale Angebote nutzen können, gleichberechtigt, einfach und ohne fremde Hilfe. Hier finden Sie eine Erklärung, was „Barrierefreiheit“ bedeutet.

Aha!

Benutzer-Schnittstellen: Um ein digitales Gerät zu bedienen, muss man ihm irgendwie mitteilen, was man will. Die technische Lösung dafür nennt man Benutzer-Schnittstelle. Meistens ist das ein Bildschirm mit Schaltflächen, die man anklicken oder antippen kann. Aber es gibt noch viel mehr Möglichkeiten. Andere Benutzer-Schnittstellen können

  • Sprache erkennen und selbst sprechen
  • Gesten erkennen und verarbeiten
  • Bewegungen der Augen erkennen und verarbeiten
  • Gesichter und damit Menschen erkennen und
  • sogar mit Messgeräten am Kopf Gedanken erkennen und verarbeiten

Mit der passenden barrierefreien Schnittstelle kann also (fast) jeder Mensch digitale Geräte bedienen. Und das ist nicht nur angenehm, sondern eine Bedingung, um in unserer modernen Gesellschaft selbstständig und selbstbestimmt zu leben.

Schauen Sie doch einfach in verschiedene Lebenswelten und entdecken Sie, wie digitale Angebote Teilhabe sichern und viele neue Möglichkeiten erschließen können – wenn sie barrierefrei sind:

Ein Mann mit einer Kreditkarte in der Hand sitzt am Notebook.

Der Online-Handel boomt. Im zweiten Quartal 2017 kauften die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland Waren für mehr als 15 Milliarden Euro im Internet, berichtet der E-Commerce-Verband bevh.



Seit seinen Anfängen Mitte der 90er-Jahre ist der Online-Handel weltweit stark gewachsen. Heute kann man fast alles im Internet kaufen, von Schuhen bis zum Sofa und von der Bohrmaschine bis zu frischen Blumen. Auch viele Supermärkte bieten ihr Sortiment inzwischen online an und liefern die Lebensmittel am selben Tag nach Hause. Das ist sehr nützlich für Menschen, die wegen ihres Alters nicht mehr gut zu Fuß sind, eine Behinderung haben oder mit einer Grippe im Bett liegen. Für manche Menschen bedeutet das Online-Shopping sogar: Sie können länger selbstständig zu Hause leben, ohne um Unterstützung zu bitten oder Hilfskräfte zu bezahlen. Ob ein Online-Shop ein Vollsortiment anbietet oder eine feine, kleine Auswahl handgeschöpfter Pralinen: Ist der Auftritt barrierefrei, zieht er mehr Kundschaft an – die gerne wiederkommt und den Shop weiterempfiehlt.

Auf einem Notebook-Bildschirm: das Barrierefrei-Portal der Sparkassen.

Wenn das Kundenportal barrierefrei gestaltet ist, dann klappt’s meist problemlos mit dem Online-Banking. Die Internet-Filiale der Sparkassen geht mit gutem Beispiel voran.

Die Digitalisierung verändert den Bankenmarkt komplett. Eine Studie der KfW und der Universität Siegen zum Rückbau von Bankfilialen hat gezeigt: In der Zeit von der Jahrtausendwende bis 2015 wurden ein Viertel aller Bank-Zweigstellen geschlossen – im Schnitt 680 pro Jahr. Die Banken nutzen die neuen digitalen Möglichkeiten, um Kosten zu sparen. Warum Mieten und Gehälter zahlen, wenn die Kundinnen und Kunden alles selbst erledigen können? Weite Wege zu einer anderen Filiale zu gehen, kommt für viele ältere Menschen nicht infrage.


Also ran ans Online-Banking: Laut der GfK-Seniorenstudie im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken erledigte schon 2014 ein Drittel der ab 60-Jährigen in Deutschland Bankgeschäfte am Computer. Da ist Barrierefreiheit – eigentlich – ein Muss! Neben der barrierefreien Gestaltung, z. B. mit starken Kontrasten zwischen Schrift und Hintergrund, ist auch eine einfache, intuitive Benutzerführung wichtig. Das bedeutet: Man findet sich sofort zurecht und erreicht sein Ziel, ohne lang zu überlegen. Übrigens: Die Bayerischen Sparkassen haben in ihrer Internet-Filiale schon alle Barrieren abgebaut.

Lesetipp: Besuch in der barrierefreien Internet-Filiale

Welche Apps haben Sie installiert? Ob Wecker, Taschenlampe, Messenger-Dienst, Fitnessprogramm oder Fahrplan, zigtausende praktische Helferlein und unterhaltsamer Schnickschnack werden gratis oder kostenpflichtig angeboten. Für Apps gilt wie für alle digitalen Angebote: Barrierefrei sind sie nur, wenn sie dem Zwei-Sinne-Prinzip folgen. Schriftliche Informationen müssen so angeboten werden, dass Sprachausgabesysteme sie vorlesen können. Mit einer Software für die Sprachsteuerung von Handy-Apps hat eine Studentin 2018 den ARD/ZDF-Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ gewonnen. In ihrer Bachelor-Arbeit entwickelte Aruscha Kramm ein Grundgerüst für eine Sprachsteuerung, das auf einzelne Apps übertragen und angepasst werden kann. So könnten künftig mehr Apps auch für Menschen mit Sehbehinderung nutzbar sein.

Ausschnitt eines Smartphone-Bildschirms mit mehreren App-Icons.

Mehr als 80 Apps haben durchschnittliche Nutzende auf ihrem Handy, rund 40 davon verwenden sie tatsächlich. Längst nicht alle Apps sind barrierefrei. Das bedeutet: Viele Menschen können sie gar nicht nutzen.

Und wenn ein Mensch nicht sprechen kann? Ein Blick sagt manchmal mehr als tausend Worte. Prof. Dr. Tom Gross von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg beschäftigt sich mit der Mensch-Computer-Interaktion. „Meinen Studenten sage ich immer, dass sie sich bei der Entwicklung von technischen Geräten von Anfang an fragen sollen: Welches Ziel will welcher Benutzer mit welchen Eigenschaften damit erreichen? Dabei muss man auch die Vielfalt der Menschen berücksichtigen. Ein guter Ansatz ist es deshalb, mehrere Schnittstellen zu kombinieren."

Lässt sich beispielsweise ein Roboter mit Blicken, Gesten oder Sprache steuern, ist er für alle gut zu bedienen.

Stephen Hawking bedient seinen Sprachcomputer über eine Sensorbrille.

Digitale Barrierefreiheit bedeutet: Computer passen sich auch den Ausdrucksmöglichkeiten des Nutzenden an. Der Physiker Stephen Hawking z. B. steuerte seinen Sprachcomputer mit winzigen Gesichtsbewegungen.

Der wohl berühmteste Nutzer solcher Schnittstellen war der Physiker Stephen Hawking (1942 – 2018). Eine ALS-Erkrankung lähmte im Laufe seines Lebens seine Muskeln. Seit Hawking künstlich beatmet werden musste, konnte er nicht mehr sprechen. Er teilte sich über einen Sprachcomputer mit, den er mit einem Daumen steuerte. Als auch der Daumen erlahmte, verwendete er eine Brille mit einem Sensor, der jede Bewegung seines Auges und seiner Wange aufnahm. So konnte Hawking durch Blinzeln und Wangenzucken den Computer steuern.

 

Doch dies dauerte zu lang für einen Mann, der viel zu sagen hatte. Also entwickelten Fachleute ein Programm, das „erriet“, was Hawking als Nächstes sagen würde. Hawking musste die Textvorschläge nur noch mit einem Wangenzucken bestätigen. So schaffte er zuletzt wieder bis zu 20 Wörter pro Minute und gab sogar Interviews im Fernsehen. Eine ähnliche Autovervollständigung nutzen viele Menschen heute, wenn sie Nachrichten auf ihrem Handy tippen: Während man schreibt, werden automatisch sinnvolle Ergänzungen vorgeschlagen. Beispiel: Ein Nutzer tippt „Guten“, das Programm schlägt als nächstes Wort „Morgen“ vor.

Aha!

Das durchschnittliche Sprechtempo liegt bei 90 bis 120 Wörtern pro Minute. Unser Lesetipp: In unserer „Entdeckungstour“ finden Sie weitere interessante Beispiele für digitale Produkte für Menschen mit Behinderung.

 

Digitale Technik unterstützt uns schon heute beim Autofahren. Das Navi zeigt den Weg, Hilfssysteme warnen uns vor Gefahren. Es gibt sogar schon Autos, die autonom – also selbstständig – fahren. Der Mensch muss nur noch das Ziel eingeben und los geht’s. Messgeräte erfassen ständig die Umgebung, ein Computersystem übernimmt Lenkrad, Bremse und Gaspedal. Noch sind selbstfahrende Autos nur zu Tests auf der Straße zugelassen. Doch über kurz oder lang wird die Technologie ganz neue Möglichkeiten eröffnen – auch für sehbehinderte oder sehr alte Menschen. Also gerade Menschen, für die es schwierig ist, den öffentlichen Verkehr zu nutzen, könnten enorme Unabhängigkeit und Mobilität (zurück-)gewinnen. Außerdem hat das autonome Fahren auch Vorteile für die gesamte Bevölkerung: Testfahrten haben gezeigt, dass selbstständig fahrende Autos viel weniger Unfälle verursachen.

Ein Mann am Steuer eines selbstfahrenden Autos. Er liest Zeitung.

Entspannt am Steuer sitzen und die Zeitung lesen? Selbstfahrende Autos werden zurzeit intensiv erprobt. Wenn sie ausgereift sind, eröffnen sie ganz neue Chancen – z. B. für Menschen, die wegen ihres Alters oder einer Behinderung nicht (mehr) selbst fahren können.

Digital & barrierefrei: nützt allen

Digitale Barrierefreiheit: Ist das nur etwas für die ältere Generation und Menschen mit Behinderung? Oder haben wir alle was davon?

Eine rundum gute Erfahrung

Viele Menschen sind zwingend auf digitale Barrierefreiheit angewiesen. Sonst können sie nicht am Alltagsleben teilhaben. Aber gut ist der Abbau von digitalen Barrieren für alle. Auch junge, rundum fitte Menschen freuen sich über Websites, Apps und Automaten, mit denen sie problemlos klarkommen. Fachleute sprechen von einer hohen „Usability“ (= Nutzerfreundlichkeit) und von einer guten „User Experience“ (= Nutzererlebnis) – einer positiven Erfahrung, die man mit einem digitalen Angebot macht.

Digitale Barrierefreiheit

  • ist ein Muss für viele Menschen mit Schwerbehinderung. Sie können digitale Angebote sonst nicht nutzen.
  • ist sehr wichtig für ältere Menschen von heute und morgen. Und auch Menschen, die z. B. nicht gut sehen, lesen oder sich konzentrieren können, profitieren von barrierefreien Angeboten.
  • bedeutet höchste Nutzerfreundlichkeit für alle Menschen.

Digitale Barrierefreiheit bringt uns also alle weiter!

Lesetipp: Wie ein Blinder das Internet nutzt und warum die Erfindung des Smartphones für ihn ein Segen war, können Sie hier nachlesen. Zur Spiegel-Reportage „Wie hört sich ein Emoji an?“

Digital & barrierefrei: lohnt sich auch für Anbieter

90 Prozent aller Menschen in Deutschland ab 14 Jahren nutzen heute das Internet. Und die Zeit, die sie damit verbringen, nimmt immer mehr zu: War es vor zehn Jahren im Schnitt noch eine knappe Stunde täglich, sind es heute schon mehr als drei Stunden.

Mehr erfahren: zur ARD/ZDF-Onlinestudie 2018

Mehr Menschen erreichen

Eines ist also vollkommen klar: Wer viele Menschen erreichen will, muss sie auch online erreichen. Das gilt für Medien, Vereine, Parteien, Unternehmen. Informationen verbreiten oder Unterstützer gewinnen kann man am besten im Internet. Wer dort viele Menschen ausschließt, weil seine Angebote nur schwer zu nutzen sind, schadet sich selbst am meisten.

„Barrierefreie digitale Angebote erhöhen die Reichweite und die Kundenzufriedenheit deutlich.“

Auch Branchenverbände und Kammern vermitteln diese Botschaft an ihre Mitglieder. Franziska Neuberger, Leiterin Referat Digitalisierung und Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, verknüpft das Thema Barrierefreiheit mit Vorteilen für alle Nutzerinnen und Nutzer: „Die Nutzerfreundlichkeit ist ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor für digitale Lösungen. Gerade durch die Digitalisierung entstehen viele Möglichkeiten, auch Nutzer mit Einschränkungen oder Behinderungen besser zu erreichen. Diese Chancen gilt es auszuschöpfen. Denn barrierefreie digitale Angebote erhöhen die Reichweite und die Kundenzufriedenheit deutlich.“

Kundschaft gewinnen und binden: barrierefrei!

Wie zahlt sich Barrierefreiheit aus?

Mit ihrer hohen Nutzerfreundlichkeit erzielen barrierefreie Angebote eine größere Reichweite und stärken die Kundenbindung. Das bedeutet für kommerzielle Angebote wie z. B. Online-Shops: Die Investition in Barrierefreiheit zahlt sich nicht nur ideell aus.

Die einzelnen Vorteile:

  • Eine größere Kundschaft bedeutet auch mehr Umsatz und Gewinn.
  • Die Kundschaft ist zufriedener und kommt gerne wieder.
  • Barrierefreie Angebote gewinnen einen Vorsprung im Wettbewerb.
  • Der Imagegewinn als kundenfreundlicher Anbieter stärkt die eigene Marke.
  • Wer digitale Infos, Produkte oder Dienstleistungen barrierefrei gestaltet, sichert sich für eine Zukunft ab, in der digitale Barrierefreiheit für alle Pflicht sein könnte.

Für Anbieter von Online-Portalen gilt also: Kommen alle rein, kommt mehr für mich raus! Das Geld für ein barrierefreies Angebot ist sehr gut angelegt.

Wie Unternehmen ältere Kundschaft gewinnen können, erklärt ein Unternehmensberater in unserem Magazin.

Kommen alle rein, kommt mehr für mich raus!

Beispiel Generation 60 plus: kaufkräftig und anspruchsvoll

Gerade ältere Menschen haben eine hohe Kaufkraft (= das Geld, das im Haushalt übrigbleibt, wenn man feste Kosten wie Miete und Versicherung abzieht). Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung hat errechnet, wie viel Geld ein Mensch in Deutschland durchschnittlich pro Jahr für den privaten Konsum ausgibt (Stand: 2013):

  • Menschen unter 30 Jahren: 11.504 Euro
  • Menschen zwischen 30 und 60 Jahren: 17.066 Euro
  • Menschen über 60 Jahre: rund 17.700 Euro

Ältere Menschen haben also mehr Geld zum Ausgeben übrig als jüngere. Doch beim Einkauf legen sie Wert auf guten Service. Wer die Generation 60 plus als Kundschaft gewinnen und binden will, sollte seinen Online-Shop, seine App oder andere digitale Angebote barrierefrei und damit maximal nutzerfreundlich gestalten.

Die Untersuchung wurde von der Initiative „7 Jahre länger“ des  Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) unterstützt. Über die Untersuchung zum privaten Konsum: zum GDV

Aha!

Sie betreiben ein digitales Angebot, z. B. eine Info-Website oder einen Online-Shop? Mit einer barrierefreien Gestaltung erreichen Sie

  • eine größere Reichweite: Ihr Angebot erreicht mehr Menschen.
  • eine bessere Performance: Alle Menschen können Ihr Angebot entspannt nutzen.
  • mehr Erfolg: Die Menschen nutzen Ihren Web-Auftritt oder Ihren Online-Shop gerne, besuchen ihn wieder und empfehlen ihn weiter.

Ihr barrierefreies Angebot: FAQs, Tipps & Links

Die meisten digitalen Angebote begegnen uns in Form von Websites und Smartphone-Apps. Viel ist schon gewonnen, wenn die Benutzer-Oberfläche einfach gestaltet ist. Das macht die Bedienung für alle schneller und praktischer. Damit eine Website oder App barrierefrei wird, muss aber noch viel mehr beachtet werden. Einige Beispiele:

  • Ein barrierefreies digitales Angebot ist möglichst fehlerfrei programmiert.
  • Es ist klar und übersichtlich aufgebaut. Wer es nutzt, findet rasch und intuitiv (also „aus dem Bauch heraus“) den gewünschten Inhalt.
  • Anklickbare Elemente sind groß und deutlich gekennzeichnet.
Logo: BIK BITV-Test 95plus.

Im BITV-Test wird geprüft, ob Websites barrierefrei sind. Sie befinden sich gerade auf einer Website mit Bestnote: „Bayern barrierefrei“ wurde als „sehr gut zugänglich“ bewertet. Hier finden Sie alle Infos zum BITV-Test.

  • Wer keine Maus verwenden kann, kommt auch problemlos mit der Tabulator-Taste klar.
  • Die verwendeten Schriftarten sind schnörkellos und gut lesbar. Die Schriftgröße und die Farbkontraste können Nutzende auf ihre Bedürfnisse anpassen.
  • Alle Texte können über Sprachausgabesysteme vorgelesen werden. Zu abgebildeten Logos, Fotos oder Zeichnungen werden Beschreibungen geliefert.
  • Die Texte sind verständlich geschrieben und gut gegliedert; die wichtigsten Infos werden auch in Leichter Sprache angeboten. Filme sind untertitelt und in Gebärdensprache übersetzt.
  • Einen barrierefreien Sprachassistenten können Sie gut verstehen. Und er versteht Sie, auch wenn Sie sehr langsam oder nicht ganz deutlich sprechen.
  • Auf einer barrierefreien Website kommen Sie auch mobil – z. B. mit dem Smartphone – schnell an Ihr Ziel.

Die Website „Bayern Barrierefrei“, auf der Sie sich gerade befinden, ist natürlich auch barrierefrei! Ein Interview mit einem Experten für barrierefreie Websites lesen Sie in unserem Magazin.

Sie schreiben einen Blog für Ihre Familie? Sie zeigen Ihre Miniatur-Autosammlung auf einer kleinen Website für Ihre Sammlerfreunde? Dann ist Barrierefreiheit nicht zwingend nötig – sofern alle, die Sie erreichen wollen, gut mit Ihrem Web-Auftritt zurechtkommen. Wenn Sie aber möglichst viele Menschen erreichen wollen – um sie über ein wichtiges Thema zu informieren, sie für Ihr Anliegen, Ihre Initiative oder Ihren Verein zu gewinnen oder Ihnen Produkte zu verkaufen –, dann ist Barrierefreiheit für Sie wichtig. Eine barrierefreie Website sorgt dafür, dass Ihre Botschaften und Ihre Angebote ankommen.

Auch junge Menschen können eine Schwerbehinderung haben. Oder nicht so gut Deutsch sprechen. Oder Wert legen auf eine gute „User Experience“, also ein rundum angenehmes, reibungsloses Shopping-Erlebnis. Die Konkurrenz auf dem Online-Markt ist riesengroß.

Wer ein benutzerfreundliches Angebot macht, zeichnet sich im Wettbewerb aus!

  • Eine bereits bestehende Website komplett barrierefrei umzugestalten, ist eher aufwendig.
  • Einige wirksame Verbesserungen sind aber auch im vorhandenen Auftritt ziemlich einfach möglich.
  • Wenn Sie sowieso eine grundlegende Überarbeitung Ihrer Website (Relaunch) planen und die Barrierefreiheit gleich mitbedenken, fallen Aufwand und Kosten dafür kaum ins Gewicht.

Nein, nicht nur. Barrierefreiheit muss in allen Schritten der Planung und Umsetzung berücksichtigt werden:

  • bei der Konzeption
  • bei der grafischen Gestaltung
  • beim Texten und bei der Bildauswahl
  • in der Programmierung
  • beim Einpflegen der Inhalte

Tipp: Fragen Sie bei Ihrem Online-Dienstleister nach, ob das Unternehmen Erfahrung mit der barrierefreien Umsetzung hat und lassen Sie sich Arbeitsbeispiele zeigen. Oder wenden Sie sich an die Beratungsstelle Barrierefreiheit.

Wie sehen barrierefreie Websites eigentlich aus? Das können Sie sich auf der „Liste 90plus“ anschauen. Dort sind Internet-Auftritte verzeichnet, die im BITV-Test (BITV = Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) mindestens 90 von 100 möglichen Punkten erreicht haben. Übrigens: Die Seite „Bayern barrierefrei“, auf der Sie sich gerade befinden, hat bei dem Test mit 96,25 Punkten sehr gut abgeschnitten!

Ausgezeichnete Websites: zur „Liste 90plus“

Sie möchten Barrieren abbauen und haben allgemeine oder konkrete Fragen? Die Beratungsstelle Barrierefreiheit ist die erste Anlaufstelle für Privatpersonen, Organisationen und Unternehmen zu allen Themen der (digitalen) Barrierefreiheit. Sie bietet kostenfrei eine allgemeine Orientierung und grundlegende Infos im Rahmen einer Erstberatung. Beim Thema „Digitale Barrierefreiheit“ arbeitet sie eng mit der Stiftung Pfennigparade zusammen. Gefördert wird das Beratungsangebot vom Bayerischen Sozialministerium. In unserem Service-Bereich finden Sie alle Infos zur Beratungsstelle Barrierefreiheit.

Broschüre „Beratungsstelle Barrierefreiheit“.

Infos und Orientierung rund um die (digitale) Barrierefreiheit bietet die Beratungsstelle Barrierefreiheit.

Viele Infos bietet die Website „Einfach für alle“ der Aktion Mensch. Unter dem Menüpunkt „Umsetzen“ finden Sie genaue Angaben, z. B. für die Planung barrierefreier Websites und die Umsetzung barrierefreier PDF-Dokumente. Zum Service gehören auch Checklisten und Erfahrungsberichte.

Zur Website „Einfach für alle“ der Aktion Mensch

Broschüre „Digitale Barrierefreiheit“: lesen & teilen

Titelbild: Broschüre „Digitale Barrierefreiheit“

Was ist (digitale) Barrierefreiheit? Wo begegnen uns digitale Angebote im Alltag? Warum nutzt digitale Barrierefreiheit allen Menschen? Und warum lohnt sie sich auch z. B. für alle, die eine Website oder einen Online-Shop betreiben bzw. Apps oder andere digitale Produkte anbieten?

Die Broschüre „Digitale Barrierefreiheit“ der Bayerischen Staatsregierung führt anschaulich ins Thema ein und vermittelt wichtige Fakten.

Sie betreiben eine Website und möchten wissen, ob Sie mit Barrierefreiheit bei Ihrer Zielgruppe punkten können? Ein Test in der Broschüre liefert Ihnen eine erste Orientierung.

Hier können Sie die Broschüre herunterladen. Unser Tipp: lesen – und dann mit anderen teilen!

Broschüre „Digitale Barrierefreiheit“ herunterladen (PDF; 796 KB)