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Universelles Design: gute Produkte für alle

Universelles Design wird auch „Design für alle“ genannt. Denn Produkte, Räume oder Dienstleistungen, die „universell“ gestaltet sind, sollen allen Menschen gleichermaßen dienen. Sie sind nützlich und decken einen echten Bedarf. Sie sind einfach zu verstehen und zu verwenden. Und wenn es sich um Gegenstände handelt, dann sind sie zudem ansprechend gestaltet, liegen gut und sicher in der Hand, fühlen sich angenehm an. Für die einen ist Universelles Design das Tor in ein selbstständiges Leben mit allen anderen. Für die anderen ein Gewinn an Nutzungskomfort. Und für alle eine Freude an Ideen und Dingen, die vom Menschen ausgehend und für den Menschen gedacht sind. Wir haben Akteure getroffen, die universelles Denken verbreiten und Design für alle schaffen.

Modell eines Ladens im Universellen Design.

Unsere Gesprächspartnerinnen und -partner

Porträtfoto: Barbara Schmidt.

Barbara Schmidt leitet die Akademie für Gestaltung und Design der Handwerkskammer (HWK) München und Oberbayern. Wer eine Ausbildung abgeschlossen hat, kann sich hier zum/zur „Gestalter/in im Handwerk“ weiterbilden. Universelles Design gehört zum Lehrplan.

Porträtfoto: Thomas Bade.

Thomas Bade führt das Institut für Universal Design, München. Das Institut schlägt Brücken zwischen Hochschulen, der Gründerszene und der Industrie. Ziel ist, Wissenschaft sowie die Entwicklung und Herstellung von „Produkten für alle“ zu vernetzen.

Porträtfoto: Fritz Frenkler.

Professor Fritz Frenkler, Diplom-Designer, hat den Lehrstuhl für Industrial Design an der Technischen Universität München (TUM) inne.

Porträtfoto: Moritz Segers.

Moritz Segers, Architekt, arbeitet im Team von Professor Fritz Frenkler am Lehrstuhl für Industrial Design an der Technischen Universität München (TUM).

Porträtfoto: Edith Bauer.

Edith Bauer, Ergotherapeutin, Mediengestalterin und Gestalterin im Handwerk, hat ein Konzept für ein Ladencafé entwickelt, in dem sich alles ums Universelle Design dreht.

Porträtfoto: Maximilian Reichel.

Maximilian Reichel, Ergotherapeut, Schreiner und Gestalter im Handwerk, hat ein Spiel für alle entworfen – für die therapeutische Arbeit genauso wie fürs Familienvergnügen.

„Design für alle“: Was ist das genau?

Ein Produkt, das allen, wirklich allen Menschen nützt und das ausnahmslos alle Menschen gut verwenden können – das gibt es nicht. Universelles Design ist statt „Design für alle“ also eher „Design für möglichst viele“. Doch auch dies ist schon ein gewaltiger Fortschritt in einer Zeit, in der Produkte das Leben einfacher machen sollen und doch immer komplizierter werden.

Es ist nicht vertretbar, Produkte zu entwickeln, die nur die Hälfte der Menschen bedienen kann.

Professor Fritz Frenkler hat den Lehrstuhl für Industrial Design an der TU München (TUM) inne. Mit seinem Team und den Studierenden arbeitet er fächerübergreifend z. B. an der Frage, wie sich unsere Gesellschaft und unsere Produkte verändern, wenn immer mehr Menschen immer älter werden. „Die Idee des Universellen Designs ist alt. Aber in den vergangenen 30 Jahren ist sie verloren gegangen. Die Unternehmen glauben heute, sie müssten spezielle Zielgruppen mit speziellen Produkten bedienen“, schildert Fritz Frenkler. „Aber wir brauchen nicht immer kleinere Zielgruppen und immer mehr Nischenprodukte. Nur Menschen mit sehr starken Einschränkungen brauchen teilweise Hilfsmittel, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Ältere Menschen brauchen keine speziellen Produkte! Was für sie gut funktioniert, das funktioniert auch für Jüngere.“ Und Frenkler geht noch weiter: „Es ist nicht vertretbar, Produkte zu entwickeln, die nur die Hälfte der Menschen bedienen können.“

Nutzergruppe: möglichst viele Menschen

Universelles Design soll also Produkte und Dienstleistungen, Prozesse und Systeme für möglichst viele Menschen einfach nutzbar machen. „Einfach nutzbar“ bedeutet z. B.:

  • Man versteht intuitiv, wie z. B. ein Gerät, ein Fahrkartenautomat oder ein Computerprogramm zu bedienen ist. „Intuitiv“ heißt: Das Produkt, das Gerät oder das Programm erklären sich von selbst, man muss nicht lange in der Bedienungsanleitung blättern oder nach Erklärungen suchen.
  • Man kann das Produkt ohne großen Kraftaufwand nutzen.
  • Man bekommt eine Rückmeldung und sieht, hört und/oder spürt, dass man z. B. die richtige Taste gedrückt hat.
  • Ggf. ist das Produkt so gestaltet, dass z. B. links- und rechtshändige Menschen oder Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung es gleich gut benutzen können

Beispiele: vom Toaster bis zum Tarifplan

Nicht nur Design-Laien scheitern an komplizierten Produkten. Fritz Frenkler ärgert sich regelmäßig über benutzerfeindliches Design. „Ich habe kürzlich einen Toaster gekauft. Als der Toast schon qualmte, wollte ich ihn retten und wie gewohnt die Taste nach oben schieben, mit der man die Brotscheibe versenkt. Ging aber nicht. Ich musste den Stecker ziehen und erstmal die Bedienungsanleitung lesen. Dort stand es dann: Man muss eine Taste drücken, die `Release´ heißt …“ Frage an Fritz Frenkler: Warum sind viele Produkte heute so kompliziert? „Weil sich der Designer nicht mit dem Produkt auseinandergesetzt hat! Wenn ich bei einem Gebäude die Eingangstür nicht finde, bin ich nicht dumm, sondern der Architekt hat einen Fehler gemacht.“

Warum ist ein Produkt kompliziert? Weil sich der Designer nicht mit dem Produkt auseinandergesetzt hat! Wenn ich bei einem Gebäude die Eingangstür nicht finde, hat der Architekt einen Fehler gemacht.

Ein „Toaster für alle“ hat wenige Tasten und Hebel. Die Aufgabe jeder einzelnen Taste ist eindeutig – z. B. durch ihre Position am Gerät und/oder ein erklärendes Symbol. Ist eine Taste beschriftet, dann mit einem einfachen Begriff wie „Start“ oder „Stopp“. Die Tasten sind groß und gut zu erreichen; drückt man eine, dann rastet sie spürbar und hörbar ein. Ein solcher Toaster ist solide gebaut. Geht ein Teil kaputt, kann man es ersetzen und muss nicht das gesamte Gerät entsorgen. Man sieht es dem Toaster an und man spürt es beim Bedienen: Hier wollte ein Designer kein kurzlebiges Modeprodukt auf den Markt werfen, sondern einen dauerhaften Mehrwert schaffen. Er hat sich damit beschäftigt, wie verschiedene Menschen einen Toaster bedienen, welche Funktionen ihnen wichtig sind – und wie er sie am besten dabei unterstützen kann, ihr Ziel zu erreichen: nämlich morgens ganz entspannt ihren Frühstückstoast zu rösten.

Nicht nur Gegenstände können universell gestaltet werden, sondern auch ganze Systeme. Zum Beispiel das Tarifsystem von öffentlichen Bahnen und Bussen. In New York und Tokio sei dies z. B. hervorragend gelungen, lobt Fritz Frenkler. Eine Chipkarte mit einer bestimmten Summe aufladen, am Drehkreuz-Eingang zu jeder Station einstecken – losfahren. Viel Zeit verschwenden mit dem Studium von Tarifplänen? Nicht nötig! Aus Versehen schwarzfahren? Unmöglich! „Es geht nicht nur um Effizienz, um Schnelligkeit“, sagt Fritz Frenkler. „Es geht um Menschlichkeit.“ Und es geht auch um die Umwelt. „Universelles Design ist auch ökologisch vertretbar und verträglich.“ 

Es geht nicht nur um Effizienz, um Schnelligkeit. Es geht um Menschlichkeit.

Funktioniert einfach, nützt vielen und sieht gut aus

Weit über den Tellerrand schaut man auch an der Akademie für Gestaltung und Design der HWK für München und Oberbayern. Wer eine Ausbildung in einem Handwerksberuf abgeschlossen hat, kann sich an dieser bayernweit einzigartigen Einrichtung in Vollzeit oder berufsbegleitend weiterbilden: zum/zur Gestalter/in im Handwerk. Barbara Schmidt, Goldschmiedin, Schmuckgestalterin und Designmanagerin, leitet die Akademie. „In der Ausbildung erwirbt man viel Fachwissen, erfährt viel über Techniken; die Gestaltung ist meist kein Thema. Doch das Handwerk steht im Wettbewerb mit der Industrie: Gestalten zu können – technische Lösungen genauso wie kunsthandwerkliche Produkte – ist wichtig.“ Die Dozentin Nicole Sanner führt die Handwerkerinnen und Handwerker ins Universelle Design ein. Für viele schließt sich ein Kreis, wenn sie erfahren, wie breite Nutzerfreundlichkeit und eine ansprechende Form sich in Produkten für alle vereinen.

Messer, Gabel und Löffel mit dicken, gerundeten Holzgriffen.

Selbst essen, nicht gefüttert werden: Das ist für Menschen mit stark eingeschränkter Feinmotorik eine Frage der Autonomie und Würde.

Die Goldschmiedemeisterin Christine Annau schuf an der Akademie für Gestaltung und Design in München als Antwort ein ungewöhnlich geformtes Besteck. Die dicken, rundlichen Griffe sind bei jedem Besteckteil gleich. Die Messerschneide, die Gabelzacken und die Laffe des Löffels können dagegen je nach Bedarf in unterschiedlichen Winkeln angebracht werden. Dank des edlen Materials – fein poliertes Walnussholz – kommt der Gedanke an Bedürftigkeit nicht auf. Hier wurde ein Bedarf mit hohem Anspruch an Funktion und Ästhetik gedeckt. Beim Universal-Design-Wettbewerb 2017 in München erhielt das Besteck einen Jury- und einen Konsumentenpreis.

Viele Abschlussarbeiten an der Akademie folgen dem Gedanken des Universellen Designs. Dabei gehen die Handwerkerinnen und Handwerker unterschiedliche Wege, beobachtet Barbara Schmidt. Die einen überlegen, wie sie Produkte für Menschen ohne Einschränkungen für alle nutzbar machen können. Die anderen entwickeln Produkte für Menschen mit Behinderung so weiter, dass sie genauso gut aussehen wie funktionieren. „Das kennt man ja von Besuchen im Altenheim“, veranschaulicht Barbara Schmidt. „Alles funktioniert gut, aber die Produkte sind ein ästhetischer Super-GAU.“ So entstanden an der Akademie eine universelle Umkleidekabine (Ausgangsfrage: Wie kann ein Standardkonzept so weiterentwickelt werden, dass alle Menschen es bequem nutzen können?) genauso wie das oben abgebildete Besteck mit rundlichen Griffen aus Walnussholz (Ausgangsfrage: Wie kann man ein Hilfsmittel für Menschen mit eingeschränkter Motorik attraktiv und edel gestalten?).

Tolle Produkte. Doch oft fehlen die Vertriebswege

Oft schöpfen die Gestalterinnen und Gestalter aus eigenen Erfahrungen und Interessen. Der Bergwanderer, der gerne unterwegs zeichnet, entwickelte einen Rucksack, der auch als Hocker dient. Die Chorsängerin erfand eine Auflage fürs Notenpult, beleuchtet, mit Ablageflächen, Bleistifthalterungen und einer Auflage für vergrößerte Noten. Der Schreiner entwarf akkubetriebene Schraubzwingen, die die Handgelenke schonen, die Schneiderin eine rückenfreundliche Nähmaschine – und die Friseurin ein Gestaltungskonzept für Friseursalons, das den Komfort für die Kundschaft genauso berücksichtigt wie die Bedürfnisse der Beschäftigten, z. B. nach weniger Lärm und einem Rückzugsraum.

Aha!

Die DIN-Norm 18040 enthält Planungsgrundlagen zum barrierefreien Bauen, die DIN-Norm 1450 befasst sich mit der Leserlichkeit von Schriften. DIN-Normen sind Empfehlungen. Der Auftraggeber, ob beim Hausbau oder der Gestaltung einer Broschüre bzw. Website, kann ihre Einhaltung jedoch vorschreiben. Gestalterinnen und Gestalter fühlen sich durch Normen oft eingeschränkt. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) bietet auf leserlich.info praxisgerechte Tipps für die Gestaltung von Texten und Bildern, die – ganz im Sinne des Universellen Designs – sehbehinderte Menschen unterstützt und sehenden einen Augenschmaus bietet.

Viele Ideen und Arbeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeistern Akademieleiterin Barbara Schmidt: „Es ist fabelhaft, was hier entsteht.“ Doch ein Aspekt trübt ihre Freude ganz erheblich. „Der Bedarf an universellen Produkten ist riesig. Doch die wenigsten Produkte erscheinen auf dem Markt!“ Zwar vermittelt die Akademie auch Grundwissen zur Vermarktung von Produkten. Doch oft fehlt es den jungen Gestalterinnen und Gestaltern an der Zeit, nach ihrem Abschluss, berufsbegleitend, einen Herstellungs- und/oder Vertriebspartner zu suchen. 

Universelles Design: Industrie entdeckt die Chancen

Genau hier kommen Akteure wie Thomas Bade ins Spiel, der Gründer und Leiter des Instituts für Universal Design. Der Sozialpädagoge arbeitete früher mit mehrfach behinderten Menschen. Und wie seine Partner an Hochschulen und im Handwerk ärgerte er sich über Hilfsmittel, die nicht nach Bedarf aussahen, sondern nach Bedürftigkeit. Um nicht zu sagen: dürftig. Thomas Bade nahm Kontakt mit Designschmieden, Start-ups, Hochschulen und Akademien auf, gründete einen Verein, später das Institut. Heute vermittelt er Unternehmen die Vorzüge von Universellem Design, bringt Partner aus Forschung, Gestaltung und Produktion zusammen und begleitet Entwicklungsprozesse.

Wer universelle Produkte herstellen möchte, muss auch universell denken und handeln.

Thomas Bade erlebt, dass sich Industrieunternehmen zunehmend für Universelles Design interessieren. Doch Design für alle ist kein Trend, auf den man mal eben aufspringen kann. „Wer universelle Produkte herstellen möchte, muss auch universell denken und handeln. Das bedeutet, Nutzerinnen und Nutzer in die Entwicklung einzubeziehen, und genauso, die Arbeitsprozesse in der Herstellung auf eine älter werdende Arbeitnehmerschaft zuzuschneiden. Und genau deshalb müssen wir Universelles Design auch zum Ausbildungsinhalt machen, im Ingenieursstudium genauso wie im Handwerk, im Management genauso wie in der Kundenbetreuung.“ 

Woran erkennt man „Produkte für alle“?

Produkte für alle tragen meist kein spezielles Etikett. Ganz bewusst sollen sie keine besondere Zielgruppe ansprechen (und dieser damit einen besonderen Unterstützungsbedarf zuschreiben). „Die Unternehmen haben gemerkt, dass die Leute keine Seniorenhandys, Waschmaschinen für ältere Menschen oder Geschirr für Pflegebedürftige kaufen wollen“, sagt Thomas Bade. „Jetzt lassen sie die Produktvorzüge für sich selber sprechen.“ Die Waschmaschine, die besonders einfach zu bedienen ist (und auch, aber eben keineswegs nur, blinde Nutzerinnen und Nutzer unterstützt), heimst positive Bewertungen im Internet ein. Das Handy, das nicht alles kann, aber das Wesentliche besonders gut und einfach, wird wärmstens weiterempfohlen. Und das hochwertige Geschirr, das vor der Markteinführung von alten Menschen getestet wurde? Die Tassen mit offenen Henkeln kann man sicher greifen und halten; die Kelchform sorgt dafür, dass man sich beim Trinken nicht so leicht verschluckt. Den Teller kann man einfach leer löffeln, auch wenn die Hand schwach ist oder zittert. All diese schlauen Details sieht man dem Geschirr nicht an. Es ist einfach: elegant. Und sorgt z. B. im Alten- und Pflegeheim dafür, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner im Speisezimmer nicht wie „Pflegefälle“ fühlen, sondern wie wertgeschätzte Gäste. Das gibt Sicherheit – und macht Appetit.

Nahaufnahme: Hände einer alten Dame mit Tasse.

Elegant und praktisch: Der Henkel der „universell“ gestalteten Tasse ist unten offen und damit leicht zu greifen. Er ist extrem belastbar und wird, dank einer Wärmedämmung, nicht heiß. Der leicht ausgestellte Becherrand erleichtert das Trinken. Und im Schrank lassen sich die Tassen sicher stapeln.

Nahaufnahme: Suppenteller mit Brühe und Löffel.

Guten Appetit: Auch der tiefe Teller, „Komfortteller“ genannt, unterstützt Menschen mit eingeschränkter Motorik – mit einer hohen, steilen Seitenwand, einer Abstreifkante und einem zur Mitte hin gewölbten Boden. So kann man die Suppe bis zum letzten Löffel problemlos aufnehmen.

Wie entsteht Universelles Design?

Ob Waschmaschine oder Handy, Geschirrserie oder Badezimmerausstattung: Von der Idee zum marktreifen Produkt ist es ein weiter Weg. Im Universellen Design ist er oft noch etwas weiter. Für Professor Fritz Frenkler ist Design „keine Kunst, sondern eine Wissenschaft“ und Gestaltung „ein Denkprozess“. Dieser Prozess beginnt damit, die Menschen, die einen Raum, ein Produkt oder eine Dienstleistung nutzen sollen, genau zu beobachten. Ihnen Fragen zu stellen. Ihre Gewohnheiten zu erfassen und auszuwerten. Nur wenn Design vom Menschen ausgeht, kann es auch wieder beim Menschen ankommen.

Nutzer sind Co-Designer

Beim universellen Gestalten betrachtet man die Nutzerinnen und Nutzer von Produkten als Mitentwickler, „Co-Designer“. Sie beschreiben, was ihnen den Alltag schwer macht oder eben erleichtert. Sie formulieren ihren Bedarf. Sie leben vor, wie schlechtes und gutes Design auf den Menschen wirken. Sie sind Profis der Praxis und für Fritz Frenkler „ein Innovationspool, den kaum einer anzapft“. Frenklers Lehrstuhl hat einen solchen Pool angelegt, „Neun- bis 90-Jährige, von Pfadfindern bis zu Bewohnern im Altenheim.“ Sie werden vor der Entwicklung befragt und testen anschließend die Prototypen. Um den Rest – die optimale Funktion, die beste Form, den ansprechenden Look, alle technischen Details – kümmern sich dann die Profi-Designerinnen und -Designer.

Beispiel 1: ein Bad aus dem Baukasten

Vielerorts in Deutschland fehlt es an bezahlbaren Wohnungen, in denen Jung und Alt, Klein und Groß, Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen gut leben können. Zum guten Leben gehört: problemlos die Wohnung erreichen – auch, wenn man einen Einkaufstrolley dabei hat oder mit einem Rollator geht. Überall gut drankommen – egal, wie groß man ist. In der Küche wirtschaften, kochen und abspülen können – ob mit oder ohne Rollstuhl. Das Bad benutzen – allein, zu zweit, mit Baby im Arm, mit Gehhilfe. Sich sicher und geborgen fühlen – in jedem Alter und auch, wenn man vielleicht eines Tages Unterstützung oder Pflege braucht. „Es ist ein Armutszeugnis“, sagt Professor Frenkler, „wenn man Menschen aus ihrem gewohnten Umfeld nehmen muss, nur weil ihr Badezimmer nicht barrierefrei ist.“

Nur, wenn Design vom Menschen ausgeht, kann es auch wieder beim Menschen ankommen.

Partner aus Wissenschaft – darunter die TUM – und Baupraxis erforschen im Projekt „Bauen mit Weitblick“ Elemente, die

  • den Anforderungen des Universellen Designs entsprechen
  • günstig in Serie herstellbar sind
  • im Baukastensystem in die Wohnungen integriert werden können

Moritz Segers von der TUM hat gemeinsam mit seinem Kollegen Hannes Gumpp „Das Systembad“ für den sozialen Wohnungsbau entwickelt. Das Systembad baut auf Erkenntnisse aus einem früheren Projekt auf („Der Raum – Das Bad“, 2015). „Damals wurde hier am Lehrstuhl untersucht, wie man die drei häufigsten Badezimmer-Grundrisse ausstatten kann“, schildert Moritz Segers. Die Arbeit begann nicht am Computer, sondern in den Badezimmern der betroffenen Wohnungen. „Dafür wurden die unterschiedlichsten Menschen beobachtet und befragt, die diese Bäder nutzen.“ Das kleine Kind, der groß gewachsene Vater, die Mutter, schwanger mit dem Geschwisterchen, der fitte junge Mann im Rollstuhl, die alte Dame mit Rollator, das ältere Paar, sie sehbehindert, er mit beginnender Demenz. Die Pflegekraft. Die Putzhilfe. Wie bewegen sie sich? Welche Handgriffe tun sie Tag für Tag? Welche fallen ihnen schwer? Wie behelfen sie sich? Wer duscht, wer badet? Wie viele Menschen halten sich gleichzeitig im Bad auf? Wer stößt an welche Kante, wer kommt wo ins Rutschen? „Liebes Kind, lieber älterer Mensch, `putz‘ dir bitte mal die Zähne´, haben wir gesagt und zugeguckt.“ Mit Klebezetteln markierten die Versuchspersonen unpraktische Ecken und Stolperfallen genauso wie liebgewonnene nützliche Lösungen. Moritz Segers: „Die Bewohnerinnen und Bewohner haben als Co-Designer die Nutzbarkeit beurteilt. Ihre Anforderungen haben wir dann später auch im Systembad umgesetzt.“

Ein Raum passt sich allen Lebensphasen flexibel an

Die Ausstattung des Systembads ist weitgehend Standard. Die Lösung steckt in der Anordnung. Wie in einem Baukasten können die Hausverwaltungen aus vielfältigen Elementen wählen. So passen sie jedes Bad bestmöglich an die Bedürfnisse seiner Nutzerinnen und Nutzer an. Werden Menschen älter und brauchen z. B. im Bad einen Pflegerollstuhl, müssen sie nicht umziehen: Ihr Bad wird ganz einfach umgerüstet – mit Elementen aus dem „Baukasten“. Nicht immer war für das Entwicklungsteam nur die DIN-Norm der Maßstab. Es geht auch darum, dass barrierefreie Bäder ihre Nutzer nicht stigmatisieren und für alle Nutzer nutzbar und ästhetisch ansprechend bleiben. Rollstuhlgerechte Bäder müssen laut DIN-Norm so groß sein, dass Menschen mit Rollstuhl wenden können. In den Berliner Wohnungen gelte dagegen das Prinzip „vorwärts rein, rückwärts raus“, beschreibt Fritz Frenkler. Badewannen gibt es nicht, sondern geräumige, schwellenlose Duschen. Die Waschmaschine in die Küche auszulagern, wurde dagegen verworfen. „Die Leute haben uns gesagt: `Die brauche ich im Bad, auf der kann ich mich gut abstützen´.“

Aha!

„Stigmatisieren“ (von griechisch Stigma = Wundmal) bedeutet, einen Menschen abzustempeln. Ein Badezimmer, das aussieht wie ein Behandlungsraum, reduziert einen Menschen auf seine körperliche Einschränkung. Dabei möchten Menschen mit Behinderung sich genauso wie alle anderen im Bad wohlfühlen, entspannen, schickmachen, stylen ... Beim Universellen Design wird auf den ansprechenden Eindruck genauso viel Wert gelegt wie auf die Funktion der Elemente.

Detailansicht des Systembads mit Waschbecken, WC und Waschmaschine.

Die meisten Menschen schätzen die Waschmaschine im Bad statt in der Küche. Die einen stellen Krimskrams darauf ab, andere nutzen sie als Wickelkommode, ältere Menschen stützen sich gerne auf ihr ab.

Blick von oben in ein 3-D-Modell des Systembads.

Das Systembad ist flexibel. Werden Waschmaschine und Duschtrennwand entfernt, entsteht Raum für einen rollstuhlgerechten Duschbereich. Die große Schiebetür schafft die nötige Bewegungsfläche für den Rollstuhl.

Beispiel 2: ein Spiel für alle

Maximilian Reichel ist gelernter Schreiner. Als Werkstattleiter in einer Förderstätte entwarf und produzierte er gemeinsam mit körperbehinderten Menschen mehrere Spiele. Die Arbeit mit behinderten Menschen gefiel ihm so gut, dass er eine Ausbildung in Ergotherapie anschloss. Danach arbeitete Reichel als Ergotherapeut in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch hier setzte er in einer Werkstatt mit den jungen Patientinnen und Patienten eigene Holzprojekte um. „Die Gestaltung und das Handwerk haben mich nicht losgelassen; sie sind Teil meiner Ideenwelt. Doch ich habe gemerkt, dass mir noch Fähigkeiten fehlten, von der Entwurfstechnik bis zur Produktentwicklung.“ Berufsbegleitend bildete sich Reichel deshalb an der Akademie für Gestaltung und Design der HWK für München und Oberbayern weiter: zum „Gestalter im Handwerk“.

Aha!

Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen, die bei Tätigkeiten im Alltag, im Beruf oder in der Freizeit eingeschränkt sind. Kinder mit Entwicklungsstörungen werden genauso behandelt wie Erwachsene, die nach einem Unfall körperlich beeinträchtigt sind, einen Schlaganfall erlitten haben oder an Demenz leiden. Ziel ist die größtmögliche Selbstständigkeit in allen Lebensbereichen. Dafür werden in der Ergotherapie Bewegungsabläufe genauso geübt wie z. B. die Sinneswahrnehmung, die Konzentration und das Gedächtnis.

In seiner Abschlussarbeit wollte Maximilian Reichel die Erfahrungen aus seinen beiden Berufen zusammenbringen – der Schreinerkunst und der therapeutischen Arbeit. Um ganz unterschiedliche Fähigkeiten von der Feinmotorik bis zur Konzentration zu trainieren, werden für die Therapiearbeit mit Erwachsenen oft Kinderspiele eingesetzt. Das kommt nicht bei allen Patientinnen und Patienten gut an. Ein Mensch, der z. B. nach einem Schlaganfall gelähmt ist, ringt nicht nur darum, wieder auf die Beine zu kommen, wieder sprechen zu können und ohne fremde Hilfe zu essen. Sondern auch um seine Würde. Er möchte nicht wie ein Kind angesprochen werden.

Maximilian Reichel entschied sich, ein Spiel nach der Idee des Universellen Designs zu entwickeln. Es sollte die therapeutische Arbeit mit Erwachsenen bestmöglich unterstützen und zugleich als Familienspiel taugen. Es sollte hochwertig sein, als Ausdruck der Wertschätzung gegenüber den Menschen, die es benutzen. Und das Spiel sollte ein Schmuckstück für die Wohnung werden: Niemand sollte sich genötigt fühlen, es nach dem Spielen möglichst schnell in einer Schublade verschwinden zu lassen.

Ein Schmuckstück entwerfen: kein Kinderspiel!

Maximilian Reichel entwarf das Spiel Okta. Es besteht aus achteckigen, dreieckigen und quadratischen Körpern aus Ahorn- und Kirschholz. Eingebettet sind sie in eine solide Holzbox. Reichels Patientinnen und Patienten legen und stellen die Holzkörper zu schmuckvollen Figuren und Formen. Dabei üben sie die Beweglichkeit ihrer Finger und trainieren, ihre Kraft richtig einzusetzen. Sie schulen die Wahrnehmung durch das Auge, stärken ihre Konzentration und Ausdauer. Doch die Übung fördert nicht nur Körper, Sinne und Geist. Sie bringt auch etwas hervor: eine schöne Form, ein Schmuckstück für den Raum. Zum „Ich habe etwas geschafft“ kommt das „Ich habe etwas geschaffen!“: die Befriedigung des Gestalters.

Zum „Ich habe etwas geschafft“ kommt das „Ich habe etwas geschaffen!“: die Befriedigung des Gestalters.

Für seinen Abschluss an der Akademie und den späteren Einsatz in der Therapie ließ Reichel das Spiel von einem befreundeten Schreiner anfertigen. Bisherige Auflage: zwei Stück. Und nun? Wie kommt das Spiel zu seinen Nutzerinnen und Nutzern? „Produktion, Vertrieb und Marketing waren große Themen während der Weiterbildung“, berichtet Reichel. Er besuchte eine Beratungsstelle und ließ sein Spiel vom Patentamt als Geschmacksmuster schützen. Auch mit möglichen Herstellern aus Handwerk und Industrie kam er ins Gespräch. Die Resonanz, fand er, war positiv. „Jedes Jahr erleiden in Deutschland allein 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Auch für die Prophylaxe, die vorbeugende Übung, wäre das Spiel denkbar“, schildert Maximilian Reichel. „Schließlich ist die Produktivität für den Menschen grundlegend. Auch ältere Menschen wollen ihre Freizeit nicht sinnlos verbringen, sondern Erfolgserlebnisse haben, etwas erschaffen. Das Potenzial ist da und es ist riesig.“ 

Bildergalerie: Maximilian Reichels Spiel "Okta"

Geöffnete hölzerne Spielbox; darin Bausteine aus verschiedenen Hölzern.

Genau zwei Exemplare gibt es bislang von Maximilian Reichels Spiel Okta. Die Bausteine sind aus Ahorn- und Kirschholz gefertigt.

Die Spielbox ist ausgeleert; alle Bausteine liegen auf dem Tisch.

Okta besteht aus acht-, vier- und dreieckig geformten Körpern. Die Holzsteine sehen schön aus, liegen gut in der Hand und laden zum Betasten und Umschließen, zum Gestalten und Spielen ein.

Ein Teil der Spielbox ist aufgestellt und bildet einen Rahmen. Darin sind einige Bausteine aufgeschichtet.

Ob Kinder oder Erwachsene, ob Menschen mit oder ohne Behinderung: Für jeden bietet Okta Herausforderungen. Die Spielbox besteht aus drei Teilen. Das Mittelteil kann man aufstellen und die Bausteine zu ganz unterschiedlichen Mustern hineinschichten.

Nun ist die Spielbox fast vollständig mit den Bausteinen ausgefüllt. Ihre verschiedenfarbigen Holzarten bilden ein Muster.

Wer mit Okta spielt, kann ganz unterschiedliche Fertigkeiten üben. Wer die Bausteine in die Box zu Ornamenten schichtet, trainiert seine Konzentration und Ausdauer, die räumliche Wahrnehmung und die Feinmotorik – also die fein abgestimmte Bewegung von Händen und Fingern. Auch die Kraft muss man genau einsetzen.

Nahaufnahme: die Hand einer Frau. Mit Daumen und Zeigefinger hält sie einen schlanken, dreieckigen Baustein.

Nimmt man einen der kleinen, dreieckigen Bausteine auf, müssen Zeigefinger und Daumen wie eine Pinzette zusammenwirken. Unsere Hand ist mindestens so vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser! Mit Okta können Menschen in jedem Alter die vielen Funktionen der Hand (wieder) erlernen: den Pinzettengriff, den Zangengriff, den Faust-, Dreipunkt- oder Schlüsselgriff …

Nahaufnahme: dieselbe Hand. Das Handgelenk ruht nun auf zwei großen Bausteinen. Die Finger halten ein rechteckiges Holzstück.

Auch das Handgelenk fordert Okta heraus. Maximilian Reichel setzt ganz unterschiedliche Übungen ein, um die Beweglichkeit und die Stabilität der Gelenke zu fördern.

Draufsicht: ein Turm aus Okta-Bausteinen.

Auch – alleine oder gemeinsam – Objekte zu bauen, macht Spaß und schult Körper wie Sinne. Pyramiden, Türme, Leitern … der Fantasie und Spielfreude sind keine Grenzen gesetzt. Als „Produkt für alle“ hat Okta im Kinderzimmer genauso seinen Platz wie am Familientisch und in der therapeutischen Praxis.

Weil er inzwischen erst seine eigene Praxis für Ergotherapie und dann eine Familie gründete, stellte Maximilian Reichel die Produktion vorerst zurück. Doch eines Tages soll Okta auf den Markt kommen. Und am besten noch weitere nützliche Produkte. Reichel hat viele Ideen. Zum Beispiel Okta in einer mobilen Version, die er einfach in die Tasche stecken kann, wenn er zu seinen Patientinnen und Patienten radelt. Und ein Spiel, das den Geist noch stärker herausfordert, das logische Denken und das Gedächtnis trainiert. Es könnte Menschen mit Parkinson oder Demenz unterstützen. Doch es wird natürlich wieder, ganz universell, alle Menschen ansprechen – und zum Mitspielen verlocken.

Beispiel 3: willkommen im „Café Luigi“

Wie Maximilian Reichel hat sich auch Edith Bauer an der HWK zur Gestalterin im Handwerk weitergebildet, ist ebenfalls ausgebildete Ergotherapeutin und hat noch einen weiteren Beruf erlernt: den der Mediengestalterin. Und auch Edith Bauer hatte vor einigen Jahren das Gefühl, dass ihre beiden Ausbildungen einander gut ergänzten – und dass doch etwas fehlte. „Als Mediengestalterin arbeite ich am Computer, denke also meist zweidimensional. Ich hatte Lust, mehr über die dritte Dimension zu lernen.“ Während der Weiterbildung lernte Edith Bauer, anders zu sehen, zu denken, an Aufgaben heranzugehen. Viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler kamen aus Handwerksberufen. Gemeinsam schauten sie über Tellerränder, lernten voneinander, experimentierten miteinander und tauschten sich über ihre Werkstoffe aus – vom Holz über Metalle, Glas und Ton bis zum Stoff.

Über diesen Austausch kam Edith Bauer auf die Idee für ihre Abschlussarbeit. Eine andere Akademieschülerin, gelernte Keramikerin, hatte einen „Becher für alle“ entworfen. Der Becher ist äußerst elegant und zart. Und doch können auch Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik ihn gut fassen und halten. Denn er ist innen glasiert, außen jedoch rau und griffig. Die Form des Bechers verjüngt in Wellenform nach unten; so rutscht er nicht aus der Hand. Logisch, dass der Becher pflegeleicht ist und in der Maschine gespült werden kann …

Edith Bauer dachte darüber nach, wie man attraktive und nützliche Produkte wie diesen Becher an den Mann und die Frau bringen könnte. Ihre Lösung: das „Café Luigi“. Bauer entwarf ein Konzept für ein universell gestaltetes Café mit angeschlossenem Laden. Im Ladenteil werden „Produkte für alle“ ausgestellt und zum Verkauf angeboten. Im Cafébereich kommen einige dieser Produkte wie Stühle und Tische, Geschirr und Besteck zum Einsatz. So finden die Cafégäste höchsten Komfort – und haben die Gesprächsthemen buchstäblich in der Hand. Der Zugang zum Ladencafé ist barrierefrei, genauso wie die Ausstattung. Zur Orientierung im Raum und an den Verkaufsregalen dienen Farben und große Schilder mit klaren Piktogrammen. Die Regale sind so niedrig montiert, dass alle Besucherinnen und Besucher die Produkte gut sehen und erreichen können – und so hoch, dass sich niemand tief bücken muss.

Modell eines Ladens im Universellen Design.

In Edith Bauers „Café Luigi“ locken u. a. große Schilder mit Piktogrammen die Gäste zu den Verkaufsregalen. Dort werden „Produkte für alle“ gezeigt – also universell gestaltete Artikel für Alltag, Haushalt und Freizeit.

Detail des Ladenmodells: Zwei Figuren (Fußgängerin und Rollstuhlfahrerin) stehen vor den Verkaufsregalen.

Die Regale sind so montiert, dass z. B. auch Menschen mit Rollstuhl die Produkte gut sehen und erreichen können. Alle Regale sind unterfahrbar; so muss auch niemand beim Shoppen in die Knie gehen.

Noch kann man das Café Luigi nicht besuchen; es existiert allein als Konzept und Modell. Edith Bauer hofft, die Betreiber z. B. eines Kulturzentrums, Einkaufszentrums oder Museums dafür zu gewinnen, ein Ladencafé für alle einzurichten. Dort könnten sich nicht nur alle treffen, Kaffee trinken, Kuchen essen und schöne Dinge kaufen. Die Besucherinnen und Besucher würden auch Universelles Design erleben – und die Idee hoffentlich verbreiten.

Universelles Design im bayerischen Aktionsplan

2013 hat die Bayerische Staatsregierung einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet. Er befasst sich auch mit Universellem Design. So soll die Forschung sowie die Entwicklung von Gütern, Dienstleistungen, Geräten und Einrichtungen im „Design für alle“ gefördert werden, außerdem neue Technologien, die auch für Menschen mit Behinderung nutzbar sind. Zu den Wegbereitern des Universellen Designs in Bayern gehören die Technische Universität München (Interdisziplinärer Studiengang Industrial Design), die Ludwig-Maximilians-Universität München (Generation Research Program, GRP), der Bayerische Forschungsverbund „Zukunftsorientierte Produkte und Dienstleistungen für die demografischen Herausforderungen (FitForAge)“, der Handelsverband Bayern e. V. (Teilnahme an der bundesweiten Initiative „Generationenfreundliches Einkaufen“) sowie, im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung, die Bayern Tourismus Marketing GmbH (Teilnahme an der bundesweiten Initiative „Reisen für Alle“ für Hotels, Gastronomie und touristische Angebote).

Auf einen Blick: Universelles Design

  • Universelles Design (auch: Design für alle, Universal Design) ist ein Prozess.
  • Ziel sind Produkte oder Dienstleistungen, Räume oder Gebäude, die alle (bzw. möglichst viele) Menschen problemlos nutzen können.
  • „Produkte für alle“ sehen nicht wie Hilfsmittel aus. Sie stempeln ihre Benutzerinnen und Benutzer nicht als „(Hilfe-)Bedürftige“ ab. Sie sind attraktiv gestaltet, solide und haltbar und können repariert werden.
  • Universelles Design bezieht die künftigen Nutzerinnen und Nutzer in die Entwicklung und Erprobung mit ein.
  • Universell gestaltete Produkte entstehen im Handwerk genauso wie in der Industrie.
  • Alles kann universell gestaltet werden: ein Handy genauso wie ein Tarifsystem für Bus und Bahn, ein Spiel genauso wie ein Badezimmer.