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Bayern barrierefrei

Lebensbereiche

Barrierefreiheit ebnet den Zugang zu allen Bereichen unseres Lebens, zu Gebäuden, zu Informationen, zu Bildung und zu Freizeitangeboten. Wir haben Beispiele und Tipps zusammengestellt.

Übersicht Lebensbereiche

Elektrorollstuhl vor einer flachen Türschwelle mit deutlicher Markierung.
Barrierefreie Arbeitsplätze
  • sind gut zu erreichen (z. B. elektrischer Türöffner am Gebäudeeingang, schwellenlose Wege, Aufzüge usw.) und
  • sind so ausgestattet, dass der oder die Beschäftigte optimal unterstützt wird. Z. B. durch einen speziell angepassten Schreibtisch und/oder Stuhl, individuell eingerichtete Funktionen am Computer, Hebe- und Tragehilfen u. v. m.
  • haben eine Toilette für Menschen mit Behinderung.
Aha!

Infos, Unterstützung und Förderung finden Unternehmen bei den Integrationsfachdiensten, beim ZBFS Integrationsamt, den Agenturen für Arbeit und den sonstigen Reha-Trägern.

Zuschüsse für die Gestaltung von Arbeitsplätzen: Infos und Formular des ZBFS

Ein Video zeigt an Beispielen, wie das Integrationsamt die behindertengerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen unterstützt (in Lautsprache und Gebärdensprache; 4:33 Minuten): Behindertengerechte Arbeitsplätze

Praxisgerechte Arbeitshilfe für Verantwortliche in Unternehmen: Online-Leitfaden und Checkliste der VBG

Erwachsene mit Einkaufs-Trolleys und kleines Kind mit Fahrrad auf einem öffentlichen Platz mit Stufen und Rampe.

Stufen oder hohe Schwellen, schmale Türstöcke, enge Küchen und die Dusche in der Badewanne: Was Jüngere meist gar nicht wahrnehmen, macht Menschen mit zunehmendem Alter das Wohnen zu Hause oft schwer.

Ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen sind auf geeignete Rahmenbedingungen in der eigenen Wohnung und im öffentlichen Raum angewiesen, um möglichst eigenständig leben zu können, also auch auf Barrierefreiheit im Wohnumfeld, dem Quartier und letztlich der ganzen Stadt. Von besonderer Bedeutung ist es, die Erreichbarkeit und Nutzbarkeit der Angebote zur Erfüllung der alltäglichen Bedürfnisse wie Nahversorgung, kulturelle Angebote oder ärztliche Versorgung durch die Schaffung von Barrierefreiheit sicherzustellen.

Im privaten Bereich bauen immer mehr Menschen barrierefrei oder rüsten ihre Wohnung nach: Weil Barrierefreiheit nicht nur im Alter die Selbstständigkeit sichern kann, sondern auch heute schon den Komfort deutlich steigert.

Nach der Bayerischen Bauordnung (BayBO) müssen ein Teil der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen, insbesondere der Kultur und der Bildung, aber auch Geschäfte, Behörden, Krankenhäuser oder Arztpraxen barrierefrei erreichbar und nutzbar sein – unabhängig davon, ob es sich um staatliche, kommunale oder private Bauvorhaben handelt.

Alten- und Pflegeeinrichtungen

Das Pflege- und Wohnqualitätsgesetz (PfleWoqG) enthält Bestimmungen, die auch die Wohnqualität in Alten- und Pflegeeinrichtungen sichern soll. Festgelegt werden z. B. die Mindestgrößen von Zimmern und die Zuordnung von sanitären Einrichtungen zu den Zimmern. Die Ausführungsverordnung bezieht sich auf die DIN 18040-2. Diese Norm führt sogenannte Schutzziele auf. Das sind Anforderungen, die im Sinne der Barrierefreiheit erfüllt werden müssen. Außerdem werden mögliche Umsetzungswege aufgezeigt. Ziel ist, eine alternsgerechte und behindertengerechte Lebenswelt zu schaffen, die möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen nutzen können. Dazu gehören u. a. Licht und Beleuchtung, Böden sowie Farb- und Gestaltungskonzeption.

Aha!

 
Auf der Wheelmap des Sozialhelden e. V. können (nicht nur) Menschen, die mit dem Rollstuhl unterwegs sind, rollstuhlgerechte Orte markieren. Weltweit sind bereits mehr als 500.000 Geschäfte, Lokale, Bankfilialen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Behörden u. v. m. eingetragen. Sehr nützlich für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und auch für Eltern mit Kinderwägen.
 

Zur Wheelmap

 

Ein Bub mit geistiger Behinderung und eine Mitschülerin üben mit Bausteinen die Feinmotorik.
Frühkindliche Bildung

Inklusion in Kitas und der Kindertagespflege zielt ab auf eine Lebenswelt ohne Ausgrenzung. Sie begreift das Verschiedensein und die Vielfalt als Normalfall, Bereicherung und Bildungschance.

Im Sinne einer inklusiven Gesellschaft haben Kindertageseinrichtungen (Kitas) einen besonderen Förderauftrag. Kinder mit und ohne Behinderung sollen grundsätzlich in Gruppen gemeinsam gefördert werden.

Kinder mit Behinderung haben die gleichen Bedürfnisse wie Kinder ohne Behinderung. Barrieren, die ihre gleichberechtigte Teilhabe einschränken, sollen schrittweise so weit wie möglich beseitigt werden. Dies gilt für die baulichen Barrieren wie für die Barrieren im Zugang zu Spiel, Lernen, Bildung und jeder Form des Miteinanders.

Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan (BayBEP) geht auch auf Kinder mit erhöhtem Entwicklungsrisiko und (drohender) Behinderung ein. Leitend für die Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder mit besonderen Bedürfnissen sind

  • die Prinzipien der sozialen Inklusion
  • der Vorrang vorbeugender (präventiver) Maßnahmen.
Schulische Bildung

Aus dem Barrierefrei-Interview mit dem Bayerischen Staatskanzleiminister Dr. Marcel Huber

"Die Barrierefreiheit bei Schulen ist kein neues Thema; sie wurde schon vor rund 40 Jahren in der Bayerischen Bauordnung verankert. Barrierefreiheit fordert uns heute aber in besonderer Weise heraus. Das gilt für die Kommunen, die für Baumaßnahmen und Ausstattung bei öffentlichen Schulen zuständig sind, wie auch für den Freistaat, der die Kommunen mit Zuschüssen unterstützt.

Unser Ziel ist, dass Schulen so barrierefrei wie möglich sind. Nicht jede Schule kann ausgestattet sein wie eine Förderschule. Es stimmt, Umbau ist viel aufwendiger als Neubau. Deshalb müssen vor allem bei bestehenden Schulgebäuden pragmatische Lösungen gefunden werden. Das heißt, man muss prüfen: Welche Bedürfnisse hat ein Kind mit Behinderung, das die Schule besuchen möchte – und welche Voraussetzungen bietet das Gebäude?

Im Grundsatz können Schülerinnen und Schüler mit jeglicher Form von Behinderung ihre wohnortnahe Schule besuchen. Das ist eine wichtige Option für betroffene Familien: Der bayerische Weg der Inklusion sieht eine Vielfalt schulischer Angebote vor. Wenn aber erhebliche Aufwendungen nötig wären, um eine Schule vor Ort entsprechend umzurüsten, kann der Kostenträger das Kind an die nächstgelegene barrierefreie allgemeine Schule verweisen.“

Studium

Grundlage für die Verbesserung der Inklusion an bayerischen Hochschulen ist ein Konzept des Bayerischen Wissenschaftsministeriums. Themen sind u. a.

  • die barrierefreie Gestaltung von Gebäuden und Ausstattung
  • der Ausbau der Studienberatung für Studierende mit Behinderung
  • die Unterstützung für sinnesbehinderte und mehrfachbehinderte Studienbewerberinnen und Studienbewerber bei der Immatrikulation
  • Schulungen der Lehrkräfte in barrierefreier Didaktik

Damit sich die bayerischen Hochschulen in Inklusionsfragen gegenseitig unterstützen können, haben die Beauftragten für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung ein Netzwerk gegründet.

Infos zum bayerischen Konzept zur inklusiven Hochschule

Alle bayerischen Hochschulen und Universitäten haben Beauftragte für Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten. Zu ihren Aufgaben gehören u. a.

  • Beratung von Studierenden und Interessierten rund um den Nachteilsausgleich
  • Information über barrierefreie Gebäude und Ausstattung. Dazu gehören nicht nur Rampen und Aufzüge, sondern z. B. Räume mit Hörsystemen für Studierende mit Hörbehinderung oder Computer-Arbeitsplätze für blinde und sehbehinderte Studentinnen und Studenten.
  • Hilfe bei der Studienorganisation
  • Vermittlung zwischen Studierenden und Lehrenden bzw. der Verwaltung. Sie informieren u. a. über die barrierefreie Ausstattung der Gebäude.

Außerdem wirken die Beauftragten darauf hin, dass Barrieren in der Hochschule abgebaut werden.

Infos zu den Beauftragten für Studierende mit Behinderung

 

Eine Frau vor einem Computer-Bildschirm. Sie wendet sich freundlich der Kamera zu.
 

Ob Fernsehen oder Internet: Wer die Angebote nicht abrufen oder wahrnehmen kann, verpasst wichtige Infos und die Einladung zum sozialen Austausch.

Bei TV-Sendungen helfen z. B. Übersetzung in Gebärdensprache und Untertitel für hörgeschädigte Menschen sowie Audio-Beschreibungen für sehbehinderte Menschen. Untertitel können über Videotext-Seiten eingeblendet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Programm über Antenne, Satellit, Kabel oder IPTV übertragen wird.

Im Internet nützt Barrierefreiheit allen. Denn eine barrierefreie Gestaltung ist besonders nutzerfreundlich. Barrierefreie Websites entstehen im Zusammenspiel von Inhalten, grafischer Gestaltung und Programmierung.

Einige Beispiele:

  • Informative Inhalte sind (nach exakten Vorgaben) kontrastreich gestaltet. Die Nutzerinnen und Nutzer können z. B. Farben selbst wählen und Kontraste und Schriftgrößen individuell einstellen.
  • Informationen werden nie ausschließlich über eine Farbe oder eine Form oder ein Geräusch vermittelt. Es werden mindestens zwei Sinne bedient.
  • Alle (wichtigen) Inhalte werden in Alltagssprache, Leichter Sprache und Gebärdensprache angeboten.
  • Blinde Menschen können sich den Text über eine Sprachausgabe-Funktion vorlesen lassen.
  • Jede Abbildung (auch: Diagramme) ist mit einer Beschreibung für sehbehinderte Menschen versehen.
  • Alle Funktionen sind nicht nur mit der Maus, sondern auch über die Tastatur zu bedienen.

Wer seine Website barrierefrei gestalten möchte, sollte sich bei der Planung und Umsetzung beraten lassen. Spezialisierte Prüferinnen und Prüfer können barrierefreie Websites zertifizieren.

Bei Veranstaltungen und im Unterricht sind z. B. induktive Höranlagen für Menschen mit Hörbehinderung sehr nützlich. Dabei werden Sprache, Musik und andere Geräusche drahtlos und in guter Qualität in die Hörgeräte oder Cochlea-Implantate übertragen. Störende Nebengeräusche werden ausgeblendet.

Aha!

„Barrierefreiheit geht uns alle an“: In dieser Veröffentlichung des Bayerischen Landwirtschafts­ministeriums finden Sie ab Seite 4 einen lesenswerten Artikel mit vielen Tipps zum Thema barrierefreies Internet (PDF).

Infos der Aktion Mensch zu Barrierefreiheit im Internet

Woran sieht man, dass eine Website barrierefrei ist? Überhaupt nicht, das ist ja das Schöne!

Beispiele und Erfahrungen für barrierefreies Webdesign

Wie kommen die Untertitel ins Fernsehen? Gar nicht so einfach, besonders wenn live gesendet wird. Eine Fotoserie des Bayerischen Fernsehens zeigt, wie Untertitel entstehen.

 

Frau im Rollstuhl fährt über eine ausklappbare Rampe in einen Linienbus.
 

Das vorbildlichste barrierefreie Gebäude nützt nichts, wenn Menschen mit Behinderung es nicht bzw. nur mühsam oder nur mit fremder Hilfe erreichen können. Deshalb ist es wichtig, dass auch nach und nach Verkehrswege und öffentliche Verkehrsmittel barrierefrei gestaltet werden.

Ein Beispiel für den barrierefreien Ausbau eines Flughafens zeigt dieser Film (in Gebärdensprache mit Untertiteln):

Video: Barrierefreiheit / Flughafen München

Aha!

Hier können Sie sich z. B. über die Ausstattung von bayerischen Bahnstationen informieren (mit Detailinfos, Plänen und Fotos):

Bahnland Bayern / Stations-Datenbank

 

Älteres Paar radelt durch eine Landschaft mit Wiesen und Kuhweiden.
 

Nicht nur für Einheimische ist Bayern eine beliebte Freizeit- und Urlaubsregion. Hoteliers, Wirte, Kultur- und Freizeiteinrichtungen haben sich teilweise auf Gäste mit Behinderung, auf ältere Menschen und auf Familien eingestellt. Von der Glas-Manufaktur bis zum Sonnenuhren-Park, vom E-Bike-Trail bis zum Wasserskilauf für Menschen mit Behinderung, von der Stadtführung bis zur Schifffahrt, das Angebot ist vielfältig und spannend.

Betriebe aus allen touristischen Bereichen können sich im deutschlandweiten System „Reisen für Alle“ zertifizieren lassen. Ziel ist eine klare Information mit verlässlichen, einheitlichen Maßstäben. Noch ist die Website im Aufbau; doch die Datenbank wächst stetig. Zum Web-Portal „Reisen für Alle“

Allgemeine Infos zum barrierefreien Urlaub in Bayern und Datenbanken mit barrierefreien Unterkünften, Freizeit-Angeboten und Aktionen finden Sie im bayerischen Tourismusportal.

 

Nahaufnahme: Ein Bub mit Brille hangelt sich konzentriert an Griffen einer Kletterwand empor.

Die Bayerische Staatsregierung fördert seit Jahrzehnten den Breitensport für Menschen mit Behinderung. Größter Empfänger ist der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern e. V. (BVS). Hervorzuheben ist dessen Projekt Erlebte Inklusive Sportschule – EISs. Es fördert den Aufbau von inklusiven wohnortnahen Sportangeboten, die Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammenbringen. Ob beim Reiten, Tanzen, Klettern oder Schwimmen: Im Mittelpunkt stehen Freude an der Bewegung und die Entwicklung persönlicher Stärken. Der BVS berät und unterstützt Sportvereine, die eine EISs gründen wollen. Die EISs hat schon vielen Kindern mit Behinderung den Weg in einen Sportverein geöffnet. So leistet die Sportschule einen Beitrag, Barrieren gegenüber Menschen mit Behinderung in den Köpfen der Erwachsenen abzubauen und bei den Kindern erst gar nicht entstehen zu lassen.

Barrierefreiheit in Sportvereinen: Im Zuge des Sportstättenbaus bezuschusst der Freistaat Bayern auch Baumaßnahmen, die der Barrierefreiheit dienen. Voraussetzung ist, dass ein entsprechender Bedarf besteht – also z. B. eine Gruppe von Menschen mit (und ohne) Behinderung am bestehenden oder geplanten Sportangebot teilnehmen möchte. Der Bayerische Landes-Sportverband e. V. (BLVS) wickelt die Förderung ab.

Zum Vereinsservice des BLSV

Der Special Olympics Bayern e. V. (SOBY) bietet inklusive Sportangebote für Menschen mit geistiger Behinderung. Aktuell betreut der Verein u. a. rund 170 Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie Sportvereine mit insgesamt mehr als 9.000 Sportlerinnen und Sportlern. Ein Höhepunkt sind die Special Olympics Landesspiele, bei denen Menschen mit geistiger Behinderung in verschiedenen Sportarten ihr Können zeigen. Die nächsten Spiele finden 2017 in Hof statt.

Zu den Special Olympics in Bayern