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Bayern barrierefrei

Barrierefrei-Lexikon

Von A wie „Aktionsplan“ bis Z wie „Zwei-Sinne-Prinzip“: In unserem Lexikon finden Sie Zahlen, Daten und Fakten, verständliche Erläuterungen und viele Anregungen zum Weiterschmökern. Das Lexikon wird regelmäßig erweitert.

Aufgeschlagenes Buch

Buchstabe A

Der bayerische Ministerrat hat 2013 den Aktionsplan „Schwerpunkte der bayerischen Politik für Menschen mit Behinderung im Lichte der UN-Behindertenrechtskonvention“ beschlossen. Dieser Aktionsplan ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft in Bayern. Zu seinen Schwerpunkten gehören u. a. Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung, inklusive Bildung, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben, die Beseitigung der doppelten Diskriminierung von Frauen und Mädchen mit Behinderung sowie Maßnahmen zur Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen.

An der Erarbeitung des Aktionsplans beteiligt waren alle bayerischen Ministerien, mehr als 140 Verbände und Organisationen sowie der Bayerische Landtag. Der Aktionsplan wird fortlaufend umgesetzt.

Auf der Website des Bayerischen Sozialministeriums können Sie den Aktionsplan in Alltagssprache und in Leichter Sprache („Das macht die Politik in Bayern für die Rechte und Wünsche von Menschen mit Behinderung“) herunterladen:

Die Bundesregierung hat 2011 den „Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention – Unser Weg in eine inklusive Gesellschaft“ beschlossen. Ziel ist es, bundesweit den gleichberechtigten Zugang für Menschen mit Behinderungen zu den in der UN-Behindertenrechtskonvention genannten Rechten zu verbessern. Dazu gehören die gleichberechtigte und barrierefreie Teilhabe am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben, Chancengleichheit in der Bildung sowie die berufliche Integration.

Der Nationale Aktionsplan ist dynamisch angelegt: als Maßnahmenkatalog, der laufend weiterentwickelt wird. Auf der Website des Bundessozialministeriums können Sie den Nationalen Aktionsplan in Alltagssprache, Leichter Sprache sowie in englischer Kurzfassung herunterladen. Eine Fassung in Braille-Schrift und eine DVD mit einem Video in Gebärdensprache können Sie bestellen.

Nationalen Aktionsplan herunterladen/bestellen

In Bayern leben mehr als 2,5 Millionen Menschen, die 65 Jahre und älter sind. In den kommenden Jahren wird ihre Zahl nach Vorausberechnungen erheblich zunehmen. Mit der Zahl der älteren Menschen steigt auch der Bedarf an barrierefreien Angeboten weiter stark an. Das Wohnhaus mit Aufzug, das rollstuhlgerechte Apartment, die Leselupe am Einkaufswagen im Supermarkt, der abgesenkte Einstieg in Bus und Bahn: Eine barrierefreie Umwelt hilft älteren Menschen, so lange wie möglich aktiv und selbstständig zu leben!

Eine Arbeitsassistentin bzw. ein Arbeitsassistent unterstützt einen Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz. Je nach Bedarf ist sie für ihn Auge, Ohr oder Hand. Arbeitsassistenz leisten Menschen im Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) oder FJS (Freiwilliges Soziales Jahr), aber auch Fachkräfte wie Gebärdensprachdolmetschende. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt das Integrationsamt die Kosten – v. a. über das Persönliche Budget.

Arbeitgeber, die nicht die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl von Arbeitsplätzen mit Menschen mit Schwerbehinderung besetzen, müssen eine Ausgleichsabgabe bezahlen. Die Abgabe liegt zwischen 125 und 320 Euro pro Monat und nicht besetztem Arbeitsplatz. Mittel der Ausgleichsabgabe werden dafür eingesetzt, die Teilhabe von Menschen mit Schwerbehinderung am Arbeitsplatz zu fördern; das Integrationsamt setzt sie für die Durchführung von Sonderprogrammen und für seine gesetzlichen Leistungen ein.

Ein Außenarbeitsplatz ist eine Stelle, die von einer Werkstatt für behinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt (also den Bereich der nicht bezuschussten oder anderweitig geförderten Arbeitsverhältnisse) ausgelagert wird. Außenarbeitsplätze gibt es in vielen Bereichen, z. B. in der Garten- und Landschaftspflege, der Gastronomie, der Verwaltung und der EDV.

Autosomal rezessiv vererbte Krankheiten oder Behinderungen (wie das Usher-Syndrom) treten nur auf, wenn die Chromosomen von Mutter UND Vater verändert sind. Die Eltern selbst sind dabei nicht unbedingt erkrankt.

Buchstabe B

„Barrierearm“ ist anders als „barrierefrei“ kein exakt definierter Begriff. Er bietet jedoch einen Anhaltspunkt. „Barrierearm“ bedeutet, dass eine Umgebung (z. B. ein Café, eine Trambahn oder eine Website) noch nicht vollständig barrierefrei gestaltet ist – aber auf einem guten Weg dorthin.

Beispiel Café: Es gibt bereits eine Rampe für Kinderwägen, Rollatoren und Rollstühle. Sie ist allerdings aus baulichen Gründen so steil, dass nicht alle Menschen mit Rollstuhl sie aus eigener Kraft überwinden können; ggf. muss also eine Begleitperson oder Beschäftigte des Cafés den Rollstuhl schieben. Das Kriterium „erreichbar“ wäre also erfüllt, „selbstständig erreichbar“ jedoch nicht. Ein weiteres Beispiel: Die Toilette im Café ist ausgestattet für die Benutzung mit einem Rollstuhl; für Elektrorollstühle ist sie jedoch zu eng. Auch hier wäre der Hinweis „barrierearm“ für Menschen mit Behinderung: vielleicht eine gute Adresse, aber am besten vorher anrufen und nachfragen.

Siehe Eintrag Wohnen, barrierefrei

Barrierefrei sind Lebensbereiche dann, wenn Menschen mit und ohne Behinderung

  • sie gleichberechtigt mit anderen erreichen und nutzen können.
  • Und zwar ohne besondere Erschwernis ...
  • und grundsätzlich ohne fremde Hilfe.

Die Behindertengleichstellungsgesetze des Bundes und Bayerns formulieren dies so: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“

Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG)

Bayerisches Behindertengleichstellungsgesetz (BayBGG)

Barrierefreiheit ist ein wichtiges Element einer inklusiven Gesellschaft. Inklusiv bedeutet: Alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, können an allen Bereichen des Lebens selbstbestimmt und gleichberechtigt teilhaben.

Die Bedeutung von Barrierefreiheit vermitteln und unsere Umwelt barrierefrei gestalten: Das ist eine Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können: Staat, Wirtschaft, Verbände und Vereine, soziale und kulturelle Einrichtungen – und alle Menschen in Bayern.

Mehr zum Thema:

Hier finden Sie weitere, ganz persönliche Definitionen von Barrierefreiheit

Die wichtigsten Tipps für „Barrierefrei-Macher“

Raten Sie mal: Was unterscheidet ein barrierefreies Café von allen anderen?

TIPP:

Mehr erfahren über Inklusion:
Zur Website Inklusion in Bayern

Begleitende Hilfen

Menschen mit Schwerbehinderung bzw. ihre Arbeitgeber können Zuschüsse oder Darlehen für die Finanzierung z. B.

  • von technischen Arbeitshilfen
  • eines behinderungsgerechten Arbeitsplatzes
  • der behinderungsgerechten Umrüstung ihres Autos
  • der Beschaffung und Ausstattung einer behinderungsgerechten Wohnung
  • einer Arbeitsassistenz

beim Integrationsamt beantragen. Wichtig: Der Antrag muss vor dem Kauf bzw. dem Beginn der Maßnahme gestellt werden!

Behinderung

Eine Behinderung im Sinne des Gesetzes liegt vor, wenn die

  • körperliche Funktion
  • und/oder geistige Fähigkeit
  • und/oder seelische Gesundheit

eines Menschen

  • mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für sein Alter typischen Zustand abweicht
  • und deshalb seine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.
Schwerbehinderung

Schwerbehindert ist ein Mensch, wenn der Grad seiner Behinderung (GdB) mindestens 50 beträgt. „Grad“ heißt: die Schwere der Behinderung. Ein GdB von 50 oder mehr bedeutet für den Menschen oftmals eine erhebliche Einschränkung (z. B. der Beweglichkeit oder Sehfähigkeit). Ab einem GdB von 50 können Betroffene einen Schwerbehindertenausweis erhalten, den es mittlerweile im modernen Scheckkartenformat gibt.

TIPP: Wegweiser für Menschen mit Behinderung

Das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) hat einen Wegweiser für Menschen mit Behinderung herausgebracht. Hier finden Betroffene, Angehörige und Interessierte viele Informationen zu den Themen Behinderung, Schwerbehinderung, Feststellung einer Behinderung, zu Rechten und Nachteilsausgleichen. Außerdem bietet die Sammlung zahlreiche wichtige Adressen. Den Wegweiser gibt es auch in Leichter Sprache. Sie können die Wegweiser kostenlos herunterladen.

Zum Wegweiser des ZBFS (PDF)

Zum Wegweiser des ZBFS in Leichter Sprache (PDF)

 

TIPP: Bayerische Sozial-Fibel

In der Sozial-Fibel, herausgegeben vom Bayerischen Sozialministerium, findet sich unter dem Stichwort „Menschen mit Behinderung, Hilfen für“ eine ausführliche Definition von Behinderung/Schwerbehinderung. Außerdem informiert die Sozial-Fibel über Leistungen für Menschen mit Behinderung, die Gleichstellung und die Feststellung des Grades der Behinderung.

Sozial-Fibel: Infos, herunterladen, bestellen

(Schwer-)Behindertenbeauftragte bzw. -beauftragter: Jeder Arbeitgeber muss eine oder einen Beauftragten bestellen, die bzw. der ihn in Angelegenheiten, die schwerbehinderte Menschen betreffen, verantwortlich vertritt. Dies gilt auch dann, wenn im Betrieb eine (Schwer-)Behindertenvertretung gewählt wurde (§ 98 SGB IX).

Mehr erfahren:
„Behindertenbeauftragte“ im Fachlexikon der Integrationsämter

Schwerbehindertenvertretung: Die Schwerbehindertenvertretung ist die gewählte Interessenvertretung der schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten (§§ 94 – 97 SGB IX).

Mehr erfahren:
„Schwerbehindertenvertretung“ im Fachlexikon der Integrationsämter

Schwerbehinderten-Vertrauensmann/-frau: siehe Schwerbehindertenvertretung.

Es gibt viele (und oft kostenlose) Angebote zur Information und Beratung. Zentraler Ansprechpartner in Bayern für alle Fragen zur Barrierefreiheit ist die Beratungsstelle Barrierefreiheit, die bei der Bayerischen Architektenkammer angesiedelt ist.

Über die Beratungsstelle Barrierefreiheit

Zur Website der Beratungsstelle Barrierefreiheit

Kompetente Ansprechpartner für Städte und Gemeinden sind die sieben bayerischen Bezirksregierungen (Sachgebiete für Städtebau). Sie können umfassend und ressortübergreifend zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten beraten:

Zu den Bezirksregierungen

Barrierefreiheit ist nicht nur eine bauliche Maßnahme. Sie betrifft alle Lebensbereiche: Arbeit, Bauen und Wohnen, Bildung, Information und Kommunikation, Mobilität und Verkehr sowie Reisen, Erholung und Freizeit.

Private und öffentlich-rechtliche Arbeitgeber, die über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, müssen auf wenigstens 5 Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen beschäftigen (§ 71 Abs.1 SGB IX).

Barrierefrei informieren und kommunizieren, Web- und Intranet-Angebote besser zugänglich machen und so die Arbeitsplatzchancen von Menschen mit Behinderung verbessern: Darum geht es in der Projektreihe BIK – barrierefrei informieren und kommunizieren. BIK wird gefördert durch das Bundessozialministerium.

Mehr Infos zu BIK

Die BITV legt Merkmale eines barrierefreien Internetauftritts fest. Der BITV-Test ist ein Verfahren für die Prüfung der Barrierefreiheit. Erreicht eine Website im Test mindestens 90 von 100 möglichen Punkten, gilt sie gut bzw. sehr gut zugänglich.

Mehr Infos zu BITV

Bliss ist eine Symbolsprache. Entwickelt hat sie Charles K. Bliss in den 40er-Jahren. Sein Ziel war es, eine Verständigungsmöglichkeit für Menschen zu schaffen, die bislang keine gemeinsame Sprache haben. Obwohl er dieses Ziel nicht erreichte, wurde Bliss in der unterstützten Kommunikation erfolgreich erprobt!

Ein Projekt der Universität Siegen stellt Bliss an Beispielen vor: So funktioniert Bliss

2015 lief der international ausgezeichnete polnische Film „In meinem Kopf ein Universum“ in den Kinos. Er schildert die wahre Geschichte des jungen Mateus, der wegen einer zerebralen Lähmung nicht sprechen kann. Mithilfe von Bliss kann er sich erstmals ausdrücken – und zeigen, dass er fühlt und denkt wie alle anderen Menschen auch.

Infos zum Film: „In meinem Kopf ein Universum“

Ein Gerät, das blinde Menschen an Computer anschließen können. Es gibt alle Texte in tastbarer Punktschrift (Braille) aus. Umgewandelt werden die Texte von einem Screen-Reader.

Siehe auch: Punktschrift, Braille-Schrift

Bürgerhelferinnen und Bürgerhelfer unterstützen Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung ehrenamtlich. Sie arbeiten in stationären Einrichtungen und in der ambulanten Hilfe. Ziel ist es, betroffenen Menschen soziale Kontakte und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Buchstabe C

Was unterscheidet ein barrierefreies Café von allen anderen?

  • Alle Menschen kommen ganz einfach rein.
  • Alle können sich gut orientieren, bequem bewegen und die Toilette benutzen – auch mit Rollstuhl oder Rollator.
  • Viele kommen gerne wieder …
  • … und empfehlen das Café von Mund zu Mund oder in sozialen Netzwerken weiter.
  • Und wenn es bald noch viel mehr ältere Menschen gibt als heute? Ist das Café bestens gerüstet.

Die Charta der Vielfalt ist eine Initiative von Unternehmen in Deutschland. Das Ziel: Alle Menschen in Unternehmen und Institutionen sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Mehr als 2.400 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben die Charta bislang unterzeichnet. Schirmherrin der Initiative ist Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Zur Charta der Vielfalt

Ein Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese. Sie wird in einer Operation hinter dem Ohr eingesetzt. Das Übertragungsgerät („Sprachprozessor“) setzt der hörgeschädigte Mensch wie ein Hörgerät ein. Dieses Gerät wandelt alle Geräusche in elektrische Signale um und leitet sie weiter ins Implantat. Dort werden sie entschlüsselt und in die Hörschnecke („Cochlea“) übertragen.

Cochlea-Implantate eignen sich für hochgradig schwerhörige und gehörlose Menschen in jedem Alter. Sie kommen in Frage, wenn ein Hörgerät nicht hilft. Das CI erschließt nicht sofort die Welt des Hörens; CI-versorgte Menschen müssen intensiv üben, das Implantat muss in der Anfangsphase auch häufig individuell nachgeregelt werden.

Bayerischer Cochlea Implantat Verband e. V.

Buchstabe D

„DAISY“ steht für „Digital Accessible Information System“. Das ist ein weltweiter Standard für navigierbare Multimedia-Dokumente. DAISY-Hörbücher wurden speziell für hörbehinderte Menschen entwickelt und sie sind interaktiv. U. a. können die Hörerinnen und Hörer die Sprechgeschwindigkeit ändern, ohne dass das Klangerlebnis leidet. DAISY-Hörbücher sind für besondere Abspielgeräte bzw. Abspiel-Software am Computer optimiert.

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) entwickelt Standards u. a. für Bauten und Produkte, für Verfahren und Dienstleistungen. Einige DIN-Normen, wie z. B. DIN 18040, enthalten auch Standards zur barrierefreien Gestaltung. DIN-Normen sind Empfehlungen. Ihre Anwendung kann jedoch z. B. vom Gesetzgeber für bestimmte Bereiche vorgeschrieben oder auch privatrechtlich vereinbart werden.

DIN 18040

Die DIN-Norm 18040 enthält Planungsgrundlagen zum barrierefreien Bauen. Das Regelwerk besteht derzeit aus drei Teilen.

  • DIN 18040-1 und DIN 18040-2 regeln, wie öffentlich zugängliche Gebäude und Gebäude mit Wohnungen gebaut werden müssen, damit Menschen mit Behinderung sie betreten und nutzen können. Soweit die Bayerische Bauordnung Anforderungen an die Barrierefreiheit solcher Bauvorhaben stellt, müssen diese Normteile als Technische Baubestimmungen beachtet werden. Die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium bietet deshalb DIN 18040-1 und 18040-2 als PDF an.
  • DIN 18040-3 betrifft den öffentlichen Verkehrs- und Freiraum wie Straßen, Plätze, öffentliche Grünanlagen, Freizeitflächen oder Spielplätze. Da Anlagen des öffentlichen Verkehrs von der Anwendung der Bauordnung ausgenommen sind, ist DIN 18040-3 nicht als Technische Baubestimmung nach dem Bauordnungsrecht eingeführt. Auf der Website des DIN können Sie die DIN 18040-3 kostenpflichtig herunterladen oder bestellen.

TIPP: Leitfäden zur DIN 18040

Zwei Leitfäden für Architekten, Fachingenieure, Bauherrn und Interessierte zur DIN 18040 hat die Bayerische Architektenkammer zusammen mit der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium und dem Bayerischen Sozialministerium bereits herausgegeben. Die Broschüren erläutern anschaulich die Grundlagen einer barrierefreien Planung. Ein dritter Leitfaden zur DIN 18040-3 ist derzeit in Arbeit.

Leitfäden herunterladen (PDF) oder bestellen
 

DIN 77800

Betreutes Wohnen hat sich als ein zukunftsweisendes Wohnkonzept erwiesen; allerdings existieren weder ein Gesetz noch eine Institution, die verbindliche Mindeststandards der Betreuungs- und Pflegeleistungen definieren bzw. sicherstellen. Mit der DIN-Norm 77800 wurde ein einheitliches Instrument zur freiwilligen Qualitätssicherung auf dem Markt des Betreuten Wohnens geschaffen. Die Norm definiert Mindestqualitätsstandards, die für Anbieter eine Orientierung schaffen, welche Leistungsangebote sie bereitstellen sollten. Gleichzeitig wird für die Verbraucher damit die Leistungstransparenz des Wohnangebots gewährleistet.

Über den Beuth Verlag können Sie die DIN 77800 kostenpflichtig herunterladen oder bestellen.

DIN 1450

Die DIN 1450 beschreibt, wie Texte gut leserlich dargestellt werden können. Sie liefert – je nach Textart – die nötigen Mindestanforderungen an Schrift und an Werte wie z. B. Schriftgröße, Buchstaben- und Zeilenabstand oder Kontrast zum Hintergrund.

Besonders relevante Informationen (z. B. zu Themen wie Gesundheit, Sicherheit oder Orientierung) sollen für eine große Nutzergruppe möglichst optimal lesbar und somit barrierefrei zugänglich sein. Die Norm betrifft den öffentlichen Raum und die Leserlichkeit von Texten in Büchern, Magazinen und Zeitungen. Sie berücksichtigt nach einer Überarbeitung auch die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung und älteren Menschen.

DIN 1450 kostenpflichtig herunterladen oder bestellen über den Beuth Verlag

Diversity oder Diversität heißt: Vielfalt. Diversity bedeutet, die Vielfalt der Menschen in einer Gesellschaft, in einem Unternehmen oder z. B. an einer Universität anzuerkennen. Sie zielt darauf ab, dass alle Menschen teilhaben und sich entfalten können – unabhängig von z. B. ihrem Geschlecht, ihrem Alter, ihrer Herkunft, Kultur, Religion, sexueller Orientierung oder einer Behinderung. Wichtig ist dabei, nicht nur die nötigen äußeren Bedingungen zu schaffen, sondern auch eine entsprechende Haltung in der Gesellschaft zu verankern.

Buchstabe E

Manche blinde Menschen nutzen die Echo-Ortung, um sich zu orientieren. Sie erzeugen Geräusche, indem sie z. B. mit den Fingern schnippen, mit der Zunge „klicken“ oder mit ihrem Langstock auftippen. Der Schall wird von Gebäuden und Gegenständen in der Umgebung zurückgeworfen. Das Echo einer Hauswand klingt anders als das eines Autos oder einer Hecke. So können sich geübte Nutzer ein äußerst genaues, dreidimensionales Bild von ihrer nahen und ferneren Umgebung machen. Die Echo-Ortung ergänzt den Langstock und/oder Blindenhund. Gelehrt wird sie im Unterricht in Orientierung und Mobilität.

Z. B. Wohnheime und Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Hier werden Menschen je nach ihrem persönlichen Bedarf begleitet, betreut und gefördert.

Einrichtungen für Menschen mit Behinderung scheinen auf den ersten Blick dem Konzept der Inklusion zu widersprechen, weil viele Menschen mit Behinderung selbstständig in der eigenen Wohnung leben und einer beruflichen Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen wollen und können. Das soll auch allen, die es wünschen, soweit es geht, ermöglicht werden.

Es gibt aber auch Menschen mit Behinderung, die (vor allem wenn sie einen hohen Betreuungsbedarf haben) lieber in einem Wohnheim leben möchten. Manche Menschen mit Behinderung entscheiden sich dafür, dass für sie eine Werkstatt für behinderte Menschen der richtige Ort ist, um einer Beschäftigung nachzugehen. Z. B., weil sie wegen ihrer Behinderung (noch) nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können und wollen.

Mit der Hinwendung auf einen inklusiven Weg dürfen auf keinen Fall die z. B. in den Werkstätten versammelte Erfahrung, das Wissen und die Qualität in der Förderung, Betreuung und Unterstützung von Menschen mit Behinderung aufgegeben werden. Das bedeutet, dass Inklusion die Einrichtungen mit einem besonderen Angebot für Menschen mit Behinderung nicht insgesamt infrage stellt. Solche Einrichtungen tragen dazu bei, dass Menschen mit Behinderung selbstbestimmt und selbstständig leben können. Sie werden im Sinne der Inklusion ständig weiterentwickelt.

TIPP:

Die Website Inklusion in Bayern bietet anschauliche Infos.

In Bayern leben mehr als 680.000 Kinder unter sechs Jahren. Das bedeutet: Sie strampeln vergnügt im Kinderwagen, sitzen im Buggy, flitzen mit ihrem Dreirad, Roller oder Laufrad – und wiegen sehr, sehr schwer in Mamas oder Papas Arm, wenn es unterwegs z. B. keinen Lift gibt, sondern nur eine Treppe. Eine barrierefreie Umwelt macht Eltern und Familien das Leben leichter!

(Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, Fortschreibung des Bevölkerungsstandes)

Maßnahmen, die die Selbstbestimmung und Selbstständigkeit eines Menschen fördern („Stärken stärken“).

Griffe, Armaturen, Tasten, Schalter oder Regler sind für alle gut zu erreichen, zu greifen und zu bedienen. Auch für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, einen Rollator benutzen, eine motorische Behinderung haben oder kleiner als der Durchschnitt sind. Auch an Menschen, die wenig Kraft haben, wird gedacht.

In den frühen 80er-Jahren gab es schon etliche Behindertentoiletten. Sie waren jedoch für jedermann zugänglich und oft in entsprechend schlechtem Zustand. Der CBF Darmstadt e. V., ein Selbsthilfeverein für Menschen mit Behinderung, entwickelte daraufhin den Euroschlüssel und überzeugte zunächst Betreiber von Autobahn-Raststätten, passende Schließanlagen zu installieren. Inzwischen gibt es europaweit mehr als 12.000 Toiletten, die nur mit Euroschlüssel zugänglich sind. Erhältlich ist der Euroschlüssel beim CBF gegen Vorlage des deutschen Schwerbehindertenausweises mit Merkzeichen aG, B, H, oder BL oder Merkzeichen G und 70, 80, 90 oder 100.

Weitere Infos zum Euroschlüssel

Ein Exoskelett ist eine stabile Konstruktion, die einem Körper von außen Halt gibt. Ein Beispiel für ein natürliches Exoskelett ist die Panzerung von Krebstieren. Ihrem Vorbild nachempfunden sind Orthesen, die einzelne Körperbereiche stützen oder ruhigstellen.

Inzwischen gibt es auch robotergestützte Exoskelette. Sie ermöglichen es z. B. Menschen mit Querschnittslähmungen, aufrecht zu stehen und zu gehen. Noch werden sie v. a. in der medizinischen Rehabilitation eingesetzt; es gibt auch erste Entwicklungen für den Einsatz am Arbeitsplatz.

Buchstabe F

forumSTAR ist ein Computer-Programm zur Unterstützung der Verfahrensabläufe und Texterstellung bei Gerichten. Zurzeit haben sich zehn Bundesländer dem Entwicklungsverbund angeschlossen. Grundlage sind eine einheitlich gestaltete Maske sowie gemeinsame Basismodule für alle Fachbereiche. Darüber hinaus gibt es spezielle Aufsätze für die einzelnen Fachbereiche, z. B. Zivil-, Familien-, Nachlass-, Vormundschafts- und Strafrecht bis zu Insolvenz- und Vollstreckungssachen. Im Laufe einer jahrelangen Entwicklung wurde forumSTAR immer weiter verbessert und verfeinert. Ziele sind u. a. eine hohe Nutzerfreundlichkeit und eine barrierefreie Anwendung. Ausgestattet wurden rund 8.000 Arbeitsplätze in rund 100 Gerichten allein in Bayern.

Eine wichtige Regel für barrierefreies Planen und Bauen: Wege und Orte müssen zu Fuß wie auch mit dem Rollstuhl oder Rollator problemlos genutzt werden können.

Buchstabe G

In Deutschland leben rund 80.000 gehörlose Menschen (Quelle: Deutscher Gehörlosen-Bund ). Sie können sich u. a. mit der Deutschen Gebärdensprache verständigen. Gebärdet wird mit Finger- und Handzeichen, unterstützt durch Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Lippenbewegungen. Die Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache anerkannt.

Als erste süddeutsche Hochschule (HS) bietet übrigens die HS Landshut einen Bachelor-Studiengang Gebärdensprachdolmetschen an. Start: Wintersemester 2015/16.

Die Agentur für Arbeit kann Menschen mit einem geringeren Grad der Behinderung (mindestens 30 bis unter 50) Menschen mit Schwerbehinderung gleichstellen. Dann können z. B. Lohnkostenzuschüsse, Hilfen zur Arbeitsplatzausstattung und eine Betreuung durch Fachdienste gewährt werden. Voraussetzung: Die betroffenen Menschen könnten ohne die Gleichstellung keinen geeigneten Arbeitsplatz bekommen oder behalten. Die gesetzliche Grundlage liefert 2 Abs. 3 SGB IX.

Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt mindestens 50. „Grad“ heißt: die Schwere der Behinderung. Ein GdB von 50 oder mehr bedeutet für den Menschen oftmals eine erhebliche Einschränkung (z. B. der Beweglichkeit oder Sehfähigkeit). Ab einem GdB von 50 können Betroffene einen Schwerbehindertenausweis erhalten, den es mittlerweile im modernen Scheckkartenformat gibt.

Die Gestützte Kommunikation ermöglicht es manchen Menschen, die nicht sprechen können, sich schriftlich auszudrücken. Dies können Menschen mit Autismus oder geistiger Behinderung sein.

Der betroffene Mensch tippt auf einer Computer-Tastatur oder einer Buchstabentafel. Eine Helferin oder ein Helfer stützt je nach Bedarf den Finger, die Hand oder Teile des Arms. Diese Unterstützung kann eine körperliche Schwäche ausgleichen und auch emotional stärken.

Manchen Menschen eröffnet das Gestützte Schreiben erstmals überhaupt die Chance, sich anderen umfassend mitzuteilen. Untersucht wird nach wie vor, wie stark der inhaltliche Einfluss der stützenden auf die schreibende Person ist.

Siehe auch Unterstützte Kommunikation

Buchstabe H

Wie möchten Menschen, die eine Behinderung haben, genannt werden?

  • SO AUF KEINEN FALL: Der Ausdruck „der/die Behinderte“ reduziert den Menschen auf eine Eigenschaft von vielen: Er oder sie ist nicht länger Frau Müller oder Herr Meier, Lehrerin oder Hausmeister, groß, klein, blond, dunkelhaarig, freundlich, humorvoll, sportlich und heute gut oder schlecht gelaunt… sondern nur noch: behindert.
  • NICHT UMFASSEND: Der Begriff „Handicap“ bedeutet nicht dasselbe wie „Behinderung“ im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention . Diese entsteht aus der körperlichen, seelischen oder geistigen Beeinträchtigung in Wechselwirkung mit den verschiedenen von der Gesellschaft geschaffenen Barrieren. Handicap meint hingegen nur die körperliche, seelische oder geistige Beeinträchtigung.
  • WARUM NICHT? Bei der Wendung „behinderte Menschen“ schwingt die Möglichkeit mit, dass ein Mensch eher durch Barrieren behindert ist/wird als aufgrund seiner persönlichen Merkmale. Manche Menschen mit Behinderung verwenden daher diesen Ausdruck ganz bewusst.
  • GENAU SO: Die weithin akzeptierte und verbreitete Bezeichnung ist „Menschen mit Behinderung“ .

Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger unterstützen und betreuen Menschen mit Behinderung pädagogisch, lebenspraktisch und pflegerisch. Sie begleiten sie bei der Bewältigung ihres Alltags

  • ambulant zu Hause,
  • in Tagesstätten, Wohn- und Pflegeheimen,
  • in Vorsorge- und Reha-Kliniken,
  • in Kitas und Förderschulen

Im BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit finden Sie weitere Infos zur Ausbildung und zum Berufsbild der Heilerziehungspflege.

Siehe auch: Taubblindheit

Buchstabe I

Hinweisschilder für induktive Höranlage
Hinweisschilder für induktive Höranlage

Eine technische Lösung, um Sprache, Musik oder Geräusche drahtlos auf Hörgeräte und Cochlea-Implantate zu übertragen. Eingesetzt wird das Verfahren z. B. in Schule und Studium, bei Veranstaltungen, Gottesdiensten oder Theateraufführungen. Die Anlage besteht aus einem Mikrofon (oder einer anderen Signalquelle), einem Verstärker und einer Induktionsschleife. Der Vorteil: Umgebungs- und Echogeräusche werden ausgeblendet, Töne kommen in klarer Qualität beim Empfänger an.

Menschen, die ein Hörgerät tragen, erkennen das Angebot an einem Hinweisschild.

Inklusion heißt, dass Menschen mit Behinderung ihr Leben nicht mehr an vorhandene Strukturen anpassen müssen, sondern dass die Gesellschaft Strukturen schafft, die es jedem Menschen ermöglichen, selbstbestimmt und selbstständig an allen Bereichen des Lebens teilzuhaben.

Barrierefreiheit ist eine notwendige Bedingung für Inklusion. Je mehr Barrieren wir abbauen, umso einfacher können Menschen mit Behinderung sich informieren und austauschen, lernen, arbeiten, mobil sein – und unsere Gesellschaft mitgestalten.

TIPP:

Mehr erfahren über Inklusion:
Zur Website Inklusion in Bayern

Buchstabe K

Kontraste spielen in der barrierefreien Gestaltung eine wichtige Rolle. So sollte der öffentlich zugängliche Raum kontrastreich für Auge, Ohr und Tastsinn gestaltet sein. So können sich seh- und hörbehinderte Menschen ohne fremde Hilfe gut orientieren. Gleiches gilt für die Gestaltung von Internetauftritten, vom Info-Portal bis zum Web-Shop.

Beschäftigte mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Grundsätzlich ist es möglich, Beschäftigten mit Schwerbehinderung zu kündigen. In der Regel muss das Integrationsamt den Fall prüfen und wird der Kündigung zustimmen. Während der Probezeit gilt der besondere Kündigungsschutz nicht.

Buchstabe L

Wo wird Barrierefreiheit umgesetzt? Siehe: Bereiche

  • Leichte Sprache hilft Menschen mit geistiger Behinderung.

    Texte in Leichter Sprache sind in großer Schrift gedruckt. Sie sind übersichtlich gegliedert. Sie bestehen aus kurzen, klaren Sätzen. Jeder Satz vermittelt nur eine Information. Fremdworte werden durch deutsche Begriffe ersetzt. Zusammengesetzte Begriffe werden mit Bindestrich geschrieben. Bilder unterstützen das Textverständnis. Texte in Leichter Sprache werden von Text-Profis oder intensiv eingearbeiteten Menschen verfasst.
     
  • Die einfache Sprache folgt weniger strengen Regeln als die Leichte Sprache. Man muss kein Text-Profi sein, um sich einfach auszudrücken.

    Die Sätze können länger als in der Leichten Sprache und auch in Nebensätze gegliedert sein. Alle Alltagsbegriffe können verwendet werden. Fremdwörter sollten vermieden oder erklärt werden. Die einfache Sprache ist praktisch für Menschen mit Lernschwierigkeiten und z. B. auch Menschen, die aus dem Ausland kommen und die deutsche Sprache noch nicht gut verstehen.

Die Regeln für die Leichte Sprache entwickelt das Netzwerk Leichte Sprache.

Menschen, die taubblind oder stark seh- und hörbehindert sind, können sich u. a. durch Lormen verständigen. Dabei berühren sie die Handinnenfläche des Gegenübers: Sie tippen, streichen oder drücken bestimmte Partien und bezeichnen so Buchstaben im Alphabet. Anders als die Gebärdensprache ist das Lormen keine Sprache, sondern lediglich eine Hilfstechnik.

Buchstabe M

Je länger ein Wort, umso schwieriger ist es auf den ersten Blick zu erfassen. In der deutschen Sprache werden einige zusammengesetzte Hauptwörter mit Bindestrich geschrieben (Trimm-dich-Pfad, Sankt-Nimmerleins-Tag). Berühmt und gefürchtet ist sie jedoch für ihre Zusammensetzungen ohne Bindestrich (Bundestagswahlen, Rechtschreibprüfung, Donaudampfschifffahrt).

In der Leichten Sprache werden alle zusammengesetzten Hauptwörter getrennt (Bundes-Tags-Wahlen). Dies erleichtert das Verständnis enorm. Doch die Getrenntschreibung entspricht nicht den Duden-Regeln. Deshalb schlägt die Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim vor, statt des Bindestrichs einen Mediopunkt oder Mittelpunkt zu setzen. Der Begriff Leichte-Sprache-Regelwerk würde danach mit Bindestrichen und Mediopunkten gegliedert: „Leichte-Sprache-Regel·werk“. Auf dem PC wird der Mediopunkt mit der Tastenkombination „ALT + 0183“ erzeugt, auf Macs mit „ALT + Shift + 9“.

Mehr erfahren über den Mediopunkt

Menschen mit Schwerbehinderung und gleichgestellte Beschäftigte müssen keine Mehrarbeit (Überstunden) leisten. Falls sie dazu in der Lage sind, dürfen sie jedoch Überstunden leisten und auch nachts bzw. im Schichtdienst arbeiten.

Wie möchten Menschen, die eine Behinderung haben, genannt werden? Siehe Handicap

Im Schwerbehindertenausweis geben Merkzeichen u. a. die Art der Behinderung oder einen besonderen Hilfebedarf an. „G“ steht für eine erhebliche Gehbehinderung, „Bl“ für Blindheit, „B“ für die Notwendigkeit ständiger Begleitung. Die Merkzeichen belegen u. a. das Recht auf bestimmte Sozialleistungen. Ein Merkzeichen für Taubblindheit wird derzeit von Bund und Ländern erarbeitet.

Weitere Infos bietet das ZBFS.

Buchstabe N

Diese Medikamente, die zu den Psychopharmaka zählen, können Symptome einer Psychose wie z. B. Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder starke Unruhe mindern. Über Nutzen und Nachteile von Neuroleptika wird intensiv diskutiert, u. a. in trialogischen Gesprächen.

Nutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit sind eng verwandt.

 

Ein nutzerfreundliches Angebot ist so geplant, gestaltet und programmiert, dass sich Internet-Unerfahrene genauso gut zurechtfinden wie Geübte. Sie finden rasch zum gesuchten Inhalt und können Anwendungen intuitiv (also ohne lange zu überlegen oder gar eine Anleitung zu studieren) und bequem nutzen.

Nicht jede nutzerfreundliche Website ist auch (umfassend) barrierefrei. Doch jede (regelgerecht geplante und umgesetzte) barrierefreie Website ist auch benutzerfreundlich.

Nutzerfreundlichkeit ist gut. Barrierefreiheit ist besser.

Buchstabe O

Ein Hilfsmittel, das Körperregionen oder Gliedmaßen stützt, stabilisiert, ruhigstellt oder ihre Form korrigiert. Orthesen werden in der Orthopädie(schuh-)technik oft individuell gefertigt und angepasst. Beispiele: Korsetts, Halsstützen, Arm- oder Beinschienen, spezielle Schuhe sowie Einlagen.

Buchstabe P

Menschen mit Behinderung, die einen orangefarbenen Parkausweis besitzen, dürfen im eingeschränkten Halteverbot sowie an Parkscheinautomaten und Parkuhren ohne Gebühr und zeitliche Begrenzung parken.

Wer einen (internationalen) hellblauen Parkausweis mit sich führt, darf darüber hinaus ausgewiesene Behindertenparkplätze nutzen.

Häufig besitzen Inhaber eines orangefarbenen Parkausweises auch einen dunkelblauen Parkausweis mit Vermerk „nur BY“, der zum Parken auf ausgewiesenen Behindertenparkplätzen berechtigt, aber eben nur in Bayern.

Parkausweise können bei der örtlichen Stadt- oder Gemeindeverwaltung beantragt werden. Bei Fragen zu den im Einzelfall notwendigen gesundheitlichen Voraussetzungen wendet sich dann die Kommune an das ZBFS.

 

 

 

Familien-Parkplätze sind relativ neu. Sie sind breiter und liegen meist in der Nähe der Eingänge, z. B. zu Krankenhäusern, Behörden oder Einkaufszentren. Sie sind nicht durch die Straßenverkehrsordnung (StVO) geschützt, eventuell jedoch durch das Hausrecht des Grundbesitzers. Wer sie freihält, macht Eltern mit kleinen Kindern oder älteren Menschen das Leben leichter.

 

 

„Peer Counseling“ heißt auf Deutsch: Beratung durch Ebenbürtige, Angehörige einer bestimmten Gruppe oder, bei Jugendlichen, durch Gleichaltrige. Bei den Netzwerkfrauen Bayern bedeutet Peer Counseling: Frauen mit Behinderung beraten Frauen mit Behinderung. Die UN-Behindertenrechtskonvention unterstützt ausdrücklich diese Methode der Beratung und Begleitung auf Augenhöhe. Zu den Methoden des Peer Counseling gehören das „aktive“ (unterstützende, bestärkende) Zuhören, das gemeinsame Formulieren eines Problems und/oder eines Ziels und die Entwicklung von Lösungen. Peer Counseling wird haupt- oder ehrenamtlich ausgeübt. Verschiedene Organisationen bieten die mehrmonatige Weiterbildung im Peer Counseling an.

Menschen mit Behinderung (und auch von Behinderung bedrohte Menschen) haben einen Anspruch auf ein Budget, um individuelle Hilfeleistungen zu finanzieren. Im beruflichen Umfeld können aus dem Persönlichen Budget z. B. eine Arbeitsassistenz, technische Hilfsmittel oder Qualifizierungsmaßnahmen bezahlt werden. In der Regel wird das Budget als Geldbetrag zur Verfügung gestellt, seltener auch in Form von Gutscheinen.

Mehr erfahren über das Persönliche Budget: zur Initiative „Einfach teilhaben“

Wer prüft die Qualität von barrierefreien Angeboten? In einigen Bereichen, z. B. für barrierefreie Texte und die Gestaltung von Websites gibt es verbindliche Regeln. Fachleute können prüfen, ob die Anforderungen erfüllt wurden.

Diese Fachleute haben teilweise selbst eine Behinderung. Oder sie arbeiten eng mit Menschen mit Behinderung zusammen. So ist sichergestellt, dass ein barrierefreies Angebot nicht nur allen Normen entspricht, sondern tatsächlich auch gut funktioniert.

Psychopharmaka nennt man Medikamente, die Stoffwechselvorgänge im Gehirn beeinflussen. Sie werden zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt. Zu den Psychopharmaka zählen u. a. Antidepressiva und Antipsychotika.

Eine Schrift, die Buchstaben in einem Punktesystem darstellt. Die Punkte werden nicht aufs Papier gedruckt, sondern so eingeprägt, dass blinde Menschen sie ertasten können. Die heute verbreitete Punktschrift wurde im 19. Jahrhundert von Louis Braille entwickelt. Braille war selbst blind; sein Schriftsystem passte er perfekt auf die Bedürfnisse blinder Menschen an. Jeder Buchstabe wird durch eine Kombination von maximal sechs Punkten dargestellt. Sie werden in zwei Spalten mit je drei Punkten angeordnet.

Buchstabe S

Eine Software (also ein Computer-Programm), die sichtbare Informationen in tastbare oder hörbare umwandelt. Das bedeutet: Was sehende Menschen auf dem Bildschirm lesen, können sich sehbehinderte oder blinde Menschen vorlesen lassen oder über eine Braille-Zeile abrufen. Screen-Reader erfassen nicht nur Texte, sondern auch grafische Elemente. Voraussetzung ist, dass jedes Element einen aussagekräftigen Namen trägt, der seinen Inhalt bzw. seine Funktion beschreibt.

Eine Form des Muskelschwunds. „Spinal“ bedeutet: das Rückenmark betreffend. Dort übermitteln Nervenzellen Reize vom Gehirn zu den Muskeln im Körper. Erkrankt eine Nervenfaser, können die Impulse nicht mehr weitergeleitet werden. Der entsprechende Muskel wird nicht mehr gefordert und verkümmert. Bei einer Atrophie ist der Muskel also sozusagen der Leidtragende; wäre er selbst erkrankt, spräche man von einer Dystrophie.

Buchstabe Sch

Schwerbehindert ist ein Mensch, wenn der Grad seiner Behinderung (GdB) mindestens 50 beträgt. „Grad“ heißt: die Schwere der Behinderung. Ein GdB von 50 oder mehr bedeutet für den Menschen oftmals eine erhebliche Einschränkung (z. B. der Beweglichkeit oder Sehfähigkeit). Ab einem GdB von 50 können Betroffene einen Schwerbehindertenausweis erhalten, den es mittlerweile im modernen Scheckkartenformat gibt.

Schätzen Sie mal: Wie viele Menschen mit Schwerbehinderung leben in Bayern?

Siehe auch: Behinderung

Schwerbehindertenvertretung: Die Schwerbehindertenvertretung ist die gewählte Interessenvertretung der schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten (§§ 94 – 97 SGB IX).

Mehr erfahren:
„Schwerbehindertenvertretung“ im Fachlexikon der Integrationsämter

Schwerbehinderten-Vertrauensmann/-frau: Siehe Schwerbehindertenvertretung.

Siehe Behindertenbeauftragte/r

Buchstabe T

Gehörlose Menschen können u. a. in der Gebärdensprache kommunizieren. Das taktile Gebärden wurde als Variante für taubblinde Menschen entwickelt. Dabei legen sie ihre Hände auf die des Gesprächspartners und können so seinen Gebärden folgen. Zusätzliche Gebärden ersetzen Signale, die über die Mimik (den Gesichtsausdruck) vermittelt werden. Besonders geeignet ist die taktile Gebärdensprache für Menschen, die gehörlos zur Welt kamen oder früh ihr Gehör verloren (also mit der Gebärdensprache als Muttersprache aufwuchsen) und erst später erblindeten.

Infos zu Kommunikationsformen taubblinder und hörsehbehinderter Menschen:

Arbeitet ein Beschäftigter taktgebunden, dann wird ihm der Arbeitstakt vorgegeben. Er selbst hat keinen Einfluss auf das Arbeitstempo. Bekanntes Beispiel für taktgebundene Arbeit ist die Fließbandarbeit.

Siehe auch: Lormen, Taktile Gebärdensprache

Taubblinde bzw. stark hörsehbehinderte Menschen können nicht oder nur sehr eingeschränkt sehen und hören. Sie stoßen besonders im Bereich der Informationsbeschaffung, der Kommunikation und der Mobilität auf Barrieren. Einige Betroffene können technische Hilfsmittel wie Braille-Zeilen für Computer nutzen (Ausgabe in Tastschrift). Besonders wichtig sind jedoch (ehrenamtliche) Assistentinnen und Assistenten.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Schwerbehinderung haben einen Anspruch auf Teilzeitarbeit, wenn

  • ihre Behinderung dies erfordert
  • und die Teilzeitarbeit dem Arbeitgeber zuzumuten ist.

In der Psychiatrie: gleichberechtigter Austausch zwischen Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung, deren Angehörigen und Fachleuten bzw. medizinischem/therapeutischem Personal (im religiösen Bereich: Austausch zwischen Christentum, Judentum und Islam).

Buchstabe U

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat 2006 das „Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (UN-Behindertenrechtskonvention oder kurz: UN-BRK) sowie das dazugehörige Zusatzprotokoll angenommen. Die UN-BRK stellt klar, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen Bereichen des Lebens ein Menschenrecht ist. Zu den Kernpunkten der UN-BRK gehört die Barrierefreiheit.

Unterstützte Kommunikation ist eine Ausdrucksform für Menschen, die oft zwar Gesprochenes verstehen, aber selbst nicht sprechen können. Betroffen sein können z. B. Menschen mit einer Erkrankung des Nervensystems, mit geistiger Behinderung oder nach einem Schlaganfall.

Statt zu sprechen, bedienen sie sich anderer Ausdrucksformen. Beispiele:

  • Gesten, Gebärden, Gesichtsausdruck, Körper- oder Augenbewegung
  • Auf bestimmte Gegenstände oder Symbole (auf speziellen Karten, Tafeln oder in Büchern) zeigen oder blicken
  • Elektronische Geräte zur Sprachausgabe, gesteuert mit Händen oder Augen

Zu unterscheiden ist die Unterstützte Kommunikation von der Gestützten Kommunikation/dem Gestützten Schreiben

Weitere Informationen bietet u. a. isaac – Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e. V. Zur isaac-Website

Buchstabe W

Website kommt aus dem Englischen und bedeutet: ein Ort oder eine Stelle im Netz, also im Internet. Eine (englische) „Site“ ist keine (deutsche) „Seite“. Eine Website ist ein Internetauftritt. Sie besteht aus einer oder mehreren (Unter-)Seiten. Vergleicht man einen Internetauftritt mit einer Zeitschrift, dann wäre …

  • die Website die gesamte Zeitschrift
  • eine Unterseite eine Seite oder ein Artikel der Zeitschrift.

Bei der Planung von barrierefreien Wohnhäusern werden die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung (Seh-/Hörbehinderung, motorische Einschränkungen, Nutzung von Gehhilfe oder Rollstuhl, Groß-/Kleinwüchsigkeit, kognitive Einschränkungen) sowie von älteren Menschen, Kindern und Familien berücksichtigt.

Barrierefreiheit beginnt nicht erst in den Wohnungen, sondern schon auf dem Weg dorthin: bei der Gestaltung von Zugangswegen, Parkplätzen, Eingangsbereichen, Rampen, Treppen – und natürlich beim Lift, der den Zugang zu den Wohnetagen und den Nutzräumen z. B. im Keller erschließt. Bei den Wohnungen wird unterschieden zwischen 1. barrierefrei nutzbaren und 2. barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen. Barrierefreie Wohnungen bieten u. a. breitere Flure und Türstöcke, eine kontrastreiche Gestaltung, gut sichtbare und tastbare Bedienelemente, eine stufenlos begeh-/befahrbare Dusche sowie Haltegriffe im Bad. Rollstuhlgerechte Wohnungen bieten ausreichende Durchfahrtsbreiten und Rangierflächen, außerdem sind u. a. unterfahrbare Waschbecken und Küchenelemente Standard.

Die DIN 18040-2 liefert die Grundlagen für Planung, Bau und Ausstattung von barrierefreien Wohnungen und Wohngebäuden sowie deren Außenanlagen. Die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium bietet sie als PDF zum Download an:

DIN 18040-1 und 18040-2 (PDF)

Buchstabe Z

Beschäftigte mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr erhalten fünf zusätzliche Urlaubstage pro Jahr.

Eine wichtige Barrierefrei-Regel für den öffentlichen Raum, Gebäude oder Websites: Informationen und Orientierungshilfen müssen auf mindestens zwei der Sinne Hören, Sehen und Tasten ausgerichtet sein. So haben sehbehinderte und hörgeschädigte Menschen ohne fremde Hilfe Zugang zu allen wichtigen Infos.