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Bayern barrierefrei

„Toiletten für alle“: Infos für Betroffene und Initiatoren

Ob Stadtbummel oder Konzertbesuch: Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen sind von vielen ganz normalen Aktivitäten ausgeschlossen. Zwar sind immer mehr Plätze, Gelände und Gebäude barrierefrei zu erreichen. Doch vor Ort fehlt dann ein bestimmtes Örtchen. „Toiletten für alle“ schließen diese Versorgungslücke. Sie sind mit einer Pflegeliege und einem Lifter optimal auf Menschen mit besonderem Pflegebedarf zugeschnitten. Menschen mit Behinderung ermöglicht eine „Toilette für alle“ die Teilhabe am gemeinsamen Alltagsleben.

Eine „Toilette für alle“ mit Behinderten-WC, unterfahrbarem Waschbecken, Deckenlifter und Pflegeliege.

Was ist eine „Toilette für alle“?

Die Bezeichnung „Toilette für alle“ bedeutet, dass eine Toilette wirklich für jeden Menschen geeignet ist. Es bedeutet nicht, dass alle Menschen diese Toiletten benutzen dürfen. „Toiletten für alle“ sind auf die Bedürfnisse von Menschen mit besonderem Pflegebedarf oder schweren und mehrfachen Behinderungen zugeschnitten. Nutzen dürfen sie alle Menschen mit Behinderung oder Inkontinenz, die auf ein barrierefreies WC angewiesen sind. Zugang bekommt nur, wer einen Euroschlüssel besitzt. Diesen erhalten nur Menschen mit Behinderung; er öffnet europaweit die Türen zu behindertengerechten sanitären Anlagen.

Aha!

„Toiletten für alle“ sind für Menschen mit Behinderung reserviert. In dem großzügig bemessenen Raum können Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer problemlos rangieren. Und: „Toiletten für alle“ sind so ausgestattet, dass auch Menschen mit besonderem Pflegebedarf oder schweren und mehrfachen Behinderungen in Ruhe und Würde frischgemacht werden können.

„Toiletten für alle“ bieten neben der üblichen Behindertentoilette auch eine höhenverstellbare Pflegeliege. Mit einem Decken- oder Standlifter werden Menschen einfach aus dem Rollstuhl auf die Liege umgesetzt. Dort können ihre Angehörigen, Assistenz- oder Pflegekräfte z. B. die Einlage oder den Katheter wechseln: einfach, ungestört und vor allem in Würde. Wo es keine geeigneten Angebote gibt, müssen pflegebedürftige Menschen bislang auf dem Boden frischgemacht werden, vor aller Augen, ob in einer öffentlichen Toilette oder im Stadtpark. Ein unhygienischer, peinlicher und belastender Kraftakt für alle Beteiligten. Viele betroffene Menschen vermeiden solche unwürdigen Situationen lieber – und bleiben zu Hause.

Aha!

„Toiletten für alle“ ermöglichen es vielen Menschen, endlich am alltäglichen Leben teilzuhaben: eine Behörde, ein Museum oder ein Fußballspiel zu besuchen, einen Stadtbummel oder einen Ausflug in den Park zu machen. Die Stiftung Leben pur setzt sich dafür ein, dass an öffentlich zugänglichen Standorten „Toiletten für alle“ eingerichtet werden. Sie informiert und berät mögliche Akteure, z. B. Kommunen, Unternehmen oder Vereine. Das Bayerische Sozialministerium fördert das Projekt und hat selbst eine „Toilette für alle“ eingerichtet. Hier finden Sie die „Toilette für alle“ im Bayerischen Sozialministerium.

Video-Doku: unterwegs mit Victoria und Simon

Was bedeuten „Toiletten für alle“ für betroffene Menschen, für Angehörige, Assistenz- und Pflegekräfte? Das Video der Stiftung Leben pur begleitet Victoria und Simon: zwei junge Leute, die dank „Toiletten für alle“ wie andere Menschen auch am Leben teilhaben, ein Konzert genießen oder im Fußballstadion mitfiebern können. Lernen Sie Victoria und Simon im Video mit Untertiteln und in Gebärdensprache kennen:

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Eine Version mit Audiodeskription finden Sie auf unserem YouTube-Kanal:
Zum Video: „Toiletten für alle – Dokumentation“ mit Audiodeskription

Hier gibt´s animierte Kurzvideos der Stiftung Leben pur zu „Toiletten für alle“:
Zum Video „im Kino“
Zum Video „im Schwimmbad“
Zum Video „am Flughafen“

Für Menschen mit Behinderung: Infos & Standorte

Wie sind „Toiletten für alle“ ausgestattet?

„Toiletten für alle“ bieten

  • ein barrierefreies Behinderten-WC mit Stützgriffen und Rückenlehne (nach DIN 18040),
  • ein unterfahrbares Waschbecken (nach DIN 18040),
  • eine höhenverstellbare Pflegeliege mit hochklappbarem Seitengitter,
  • einen Decken- oder Standlifter,
  • einen luftdicht verschließbaren Abfallbehälter und
  • ausreichend Platz zum Rangieren, auch mit Elektro- oder Liegendrollstuhl (Raumgröße von ca. 12 Quadratmetern).

Wo finde ich eine „Toilette für alle“?

In Bayern findet man deutschlandweit die meisten „Toiletten für alle“ – auf dem Flughafen München, bei den Spielen des FC Bayern in der Allianz Arena, im Nürnberger Südstadtbad genauso wie in der Regensburger Arbeitsagentur. Im Oktober 2019 zeigte die Deutschlandkarte von „Toiletten für alle“ 30 Standorte im Freistaat. Neben öffentlichen Anbietern gibt es auch erste private Betreiber. Und allmählich breitet sich die Bewegung von den Ballungszentren in Klein- und Mittelstädte aus. Auf Volksfesten, vom Oktoberfest und den Tollwood-Festivals in München bis zur Allgäuer Festwoche, stehen „Toiletten für alle“ im Container bereit.

„Toiletten für alle“: Standorte in Deutschland

Was brauche ich für die Benutzung?

  • Euroschlüssel
    Die meisten „Toiletten für alle“ sind nur mit Euroschlüssel zugänglich. Sie erhalten ihn gegen Gebühr beim CBF Darmstadt. Voraussetzung: Sie haben einen Schwerbehindertenausweis mit einem der Merkzeichen aG, B, H, BL oder Merkzeichen G und einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 70.
  • Liftertuch
    Falls Sie für das Umsetzen vom Rollstuhl auf die Pflegeliege den Lifter benutzen: Bringen Sie bitte Ihr eigenes Liftertuch mit. Damit ist gewährleistet, dass nur Menschen den Lifter benutzen, die ihn brauchen und bereits Erfahrung mit der Nutzung haben.
Lesetipp!

Interview auf dem stillen Örtchen: Wir haben uns auf einer „Toilette für alle“ mit den Initiatoren des Projekts unterhalten.
Zum Magazinbeitrag „Toiletten für alle!“

Aktiv werden! Fakten & Service für Betreiber

Geeignete Standorte, Planungsgrundlage, Zugänglichkeit

Ziel ist, „Toiletten für alle“ flächendeckend anzubieten. Das klingt anspruchsvoller, als es ist. Guter Wille und zwölf Quadratmeter Fläche: Mehr ist nicht nötig, um bei einem Umbau oder Neubau unsere Welt für Menschen mit Pflegebedarf erheblich zu verbessern.
 

  • Mögliche Standorte
    „Toiletten für alle“ können z. B. Kommunen, Behörden und Verkehrsbetriebe, Einkaufszentren, Museen, Parks, Freizeit- und Sportstätten, Bahnhöfe, Flughäfen und Raststätten sowie Hotels und Gaststätten einrichten.
  • Mobile Angebote
    Für Volksfeste und andere Veranstaltungen eignet sich die mobile „Toilette für alle“ im Mietcontainer.
  • Planungsgrundlage: die DIN-Norm
    Die grundlegenden Anforderungen an „Toiletten für alle“ sind in der DIN 18040 für barrierefreies Bauen verankert und müssen eingehalten werden. Basierend auf diesen Vorgaben wird der Sanitärraum zusätzlich mit einer Pflegeliege, einem Personenlifter sowie einem luftdicht verschließbaren Abfallbehälter ausgestattet.
  • Öffnungszeiten
    Im öffentlichen Raum sollten „Toiletten für alle“ rund um die Uhr zugänglich sein.

Bildergalerie: Ausstattung einer „Toilette für alle“

Planzeichnung: Behindertentoilette und Waschbecken.

Eine „Toilette für alle“ bietet eine höhenverstellbare Toilette mit Armlehnen und ein höhenverstellbares und unterfahrbares Waschbecken.

Planzeichnung: Pflegeliege.

Auf der Pflegeliege können Menschen mit schweren oder mehrfachen Behinderungen in aller Ruhe und Würde ihre Inkontinenzeinlagen gewechselt bekommen und frischgemacht werden.

Planzeichnung: Deckenlifter.

Ein fest montierter Deckenlifter (wie hier in der Planskizze) oder ein Standlifter sorgen für einen einfachen und sicheren Transfer vom Rollstuhl auf die Pflegeliege.

Planzeichnung: Gesamtansicht einer „Toilette für alle“.

Circa 12 Quadratmeter sollte eine „Toilette für alle“ messen. Dann können sich auch Menschen im Elektro- oder Liegendrollstuhl ungehindert bewegen.

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Infos und Beratung für Betreiber

Ob Sie eine „Toilette für alle“ bauen, kaufen oder mieten möchten: Die Stiftung Leben pur berät Sie umfassend und sachkundig.

„Toiletten für alle“: Infos und Beratung für Betreiber