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Bayern barrierefrei

Besuch: Hans Maier, blinder IT-Spezialist

München, November 2015. Woran denken Sie beim Stichwort „E-Mail schreiben“? Sehen Sie Ihren Computer-Bildschirm vor sich? Oder Ihr Handy-Display? Stellen Sie sich jetzt mal vor, wie Sie ohne hinzuschauen eine E-Mail-Maske öffnen, die Adresse eingeben, Betreff und Text schreiben und die Mail abschicken. Geht nicht? Geht doch. Ein Besuch bei Hans Maier, Informatiker und seit seiner Geburt blind.

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Über Hans Maier

Porträtfoto Hans Maier

Hans Maier hat Informatik mit dem Nebenfach Psychologie studiert. Heute arbeitet er in der Gemeinsamen IT-Stelle der bayerischen Justiz. Im Netzwerk mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen optimiert er die Justiz-Software forumSTAR, die in mehreren deutschen Bundesländern eingesetzt wird. In dem Großprojekt ist Hans Maier für alle Aspekte der Barrierefreiheit verantwortlich.

Meine Meinung

„Barrierefrei bedeutet für mich: Alles ist für alle gleichberechtigt nutzbar – unabhängig von Hilfsmitteln, auf die man angewiesen ist. Dabei dürfen wir nicht eindimensional denken!“

Ein Wäschekorb voller Gesetze

Als Hans Maier 1987 die Realschule abschloss, war die Berufsauswahl für blinde Menschen sehr eingeschränkt. Masseur, Telefonist, Stenotypist und Phonotypist waren vier Berufe für Menschen, die wie Hans Maier blind sind. Doch Maier hatte andere Pläne. Er startete nach dem Realschulabschluss in den mittleren Beamtendienst. Während der Ausbildung musste er Barrieren nicht nur überwinden, sondern eine besonders massive buchstäblich mit sich herumtragen. Das Bürgerliche Gesetzbuch, kurz BGB, Kopfkissenlektüre für angehende Beamtinnen und Beamte bei der Justiz, füllt in der Punktschrift-Ausgabe einen ganzen Wäschekorb. Und das war nur einer von vielen Gesetzestexten. Hans Maier überwand – häufig unterstützt durch Vorlesekräfte, Kollegen oder Familie – viele Barrieren, bestand alle Prüfungen und wurde Protokollführer. Er tippte in „Schwarzschrift“ (die Schrift der sehenden Menschen, die, anders als die Punktschrift, nur sichtbar und nicht tastbar ist); Korrektur lesen mussten seine sehenden Kolleginnen und Kollegen.

„Der PC hat mir Freiheit gegeben. Und diese Freiheit habe ich genutzt.“

Doch es waren inzwischen die frühen 90er-Jahre. Computer entwickelten sich zum Massenmedium. Blinde und sehbehinderte Menschen konnten jetzt eine sogenannte Braille-Zeile an den Computer anschließen, die alle Texte in der tastbaren Punktschrift ausgibt. „Mit dem PC konnte ich nicht nur schreiben, sondern auch meine Texte selbst lesen und korrigieren“, erinnert sich Hans Maier. „Das hat mir Freiheit gegeben und diese Freiheit habe ich genutzt.“

Maier machte Abitur und kontaktierte einen Professor für Informatik. Der fand es spannend, einen blinden Studenten auszubilden und heuerte einen frischgebackenen Diplomanden als Zivi für Hans Maier an. „Das war eine ideale Starthilfe für die ersten beiden Semester.“ Auch danach war Maier immer wieder auf die Unterstützung von Zivis oder Kommilitonen angewiesen, allein um Vorlesungsskripte in eine für ihn wahrnehmbare Form zu übertragen. Mit der Verbreitung elektronischer Daten wurde er zunehmend selbstständiger.

Notebook mit angeschlossenem Braille-Display. Die Hände des Benutzers liegen auf der Braille-Zeile.

Hans Maier hat ein Braille-Display an sein Notebook angeschlossen. Seine Finger liegen auf der Zeile mit der tastbaren Punktschrift. Die acht großen, schräg angeordneten Tasten darüber nutzt er, um sich unterwegs Notizen zu machen. Im Büro verwendet er die Notebook-Tastatur.

Konkurrenz ist gut gegen Barrieren

„Wenn ein Online-Angebot gut gemacht ist, profitieren blinde und sehbehinderte Menschen enorm“, sagt Hans Maier. „Jede digitale Information kann als Text dargestellt werden, bei Grafiken und Diagrammen kann der Inhalt im Alternativtext beschrieben werden. Aber die Website muss sauber strukturiert, gestaltet und programmiert sein.“

So muss z. B. jedes Element auf einer Website benannt sein. Der „Weiter“-Pfeil ist oft als Bild eingebunden. Ein Screen-Reader kann Grafikelemente in einer Website nicht erkennen. Deshalb muss das Bild einen aussagekräftigen Alternativtext tragen, z. B. „weiter“, „bestellen“ oder „absenden“. Nicht selten wird diese Benennung vergessen. Dann heißt die Schaltfläche z. B. „Bild1.gif“. Diese Bezeichnung liest der Screen-Reader ungerührt vor – doch der blinde Benutzer kann mit dieser (Nicht-)Information nichts anfangen.

Wie reagiert Hans Maier auf solche Barrieren? „Ich ärgere mich kurz und suche eine andere Website. Pech für den Anbieter: Es gibt inzwischen genug Wettbewerber.“

Immer mehr Online-Anbieter entdecken heute Menschen mit Behinderung als Zielgruppe. 2003, als Hans Maier sein Büro in der Gemeinsamen IT-Stelle der bayerischen Justiz bezog, war das noch anders. „Nutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit waren damals noch keine Mainstream-Themen; es gab nur wenige Spezialisten. Inzwischen hat sich das dank der UN-Behindertenrechtskonvention geändert.“ Damals jedoch wollte Hans Maiers Chef dem neuen Mitarbeiter ein Programm vorführen, das die Organisation innerhalb der Justiz unterstützen soll. Doch Maiers Braille-Zeile blieb leer: ein Fehler in der Programmierung. Spätestens jetzt wurde beiden klar, dass Hans Maier richtig viel zu tun bekommen würde.

„Ein Web-Angebot ist nicht barrierefrei? Ich ärgere mich kurz und suche eine andere Website. Pech für den Anbieter: Es gibt inzwischen genug Wettbewerber.“

Hilflos ist das Gegenteil von barrierefrei.

Hans Maier öffnet eine Übungsmaske in forumSTAR; der Fall und die Namen der Prozessbeteiligten sind erfunden. Für sehende Menschen erscheint die Maske übersichtlich und intuitiv bedienbar. Doch sie hat sehr viele Eingabefelder, die blinde Nutzerinnen und Nutzer nacheinander mit der Tab-Taste ansteuern müssen. Steckt hier irgendwo ein Fehler in der Programmierung, können blinde Menschen weder nach Aktenzeichen oder Namen suchen, geschweige denn einen Fall bearbeiten. Schon eine scheinbare Kleinigkeit wie ein nicht benanntes Kontrollkästchen lassen den Bearbeiter hilflos. Und hilflos ist das Gegenteil von barrierefrei.

forumSTAR ist in einer verbreiteten Programmiersprache aufgesetzt. Screen-Reader können jedoch Inhalte nicht erfassen, die in dieser Sprache programmiert wurden. Zwar können Anwender den Anbietern der Programmiersprache Fehler wie diesen melden; je häufiger ein Fehler gemeldet wird, umso höher rutscht er in der Wichtigkeitsliste der Entwickler. Als vergleichsweise kleine Nutzergruppe drangen blinde Menschen früher mit ihren Anliegen kaum durch. „Es ist ein Erfolg der Inklusion“, sagt Hans Maier, „dass sich hier etwas bewegt hat.“ Inzwischen haben die Anbieter die Sprache so weiterentwickelt, dass Screen-Reader auf die Inhalte zugreifen können. Ein erster, grundlegender Schritt für eine neue, barrierefreie Version von forumSTAR.

Viele weitere, kleine und große Schritte folgten. Mit einer Tastenkombination (einem „Shortcut“) können blinde Nutzerinnen und Nutzer z. B. die Formatierung abfragen. Dann liest die Computerstimme nicht nur den Text vor, sondern meldet auch, wenn Worte fett gesetzt oder unterstrichen sind. Auch Textumbrüche werden nun angezeigt. Wie viel von solchen Informationen sind wichtig, welche halten eher auf? Entscheidungen wie diese sind mitunter eine Gratwanderung.

Mission: Begeisterung.

„Die Justiz ist ein `textlastiges Gewerbe´ und deshalb ein optimales Umfeld für blinde und sehbehinderte Menschen“, sagt Hans Maier. „Entsprechend gibt es Menschen mit Sehbehinderung in allen Laufbahnen, von der Schreibkraft bis zum Richter bzw. zur Richterin. Mit barrierefrei gestalteten Programmen und Apps können sie selbstbestimmt arbeiten. Die meisten bringen in ihrem Umfeld großartige Leistungen und sind als Kollegen geschätzt.“

Eine seiner Aufgaben sieht Hans Maier darin, Kolleginnen und Kollegen ohne Behinderung für Barrierefreiheit zu begeistern. Dabei lässt er sein Gegenüber gerne am eigenen Leibe erfahren, wie Menschen mit Behinderung den Computer erleben und nutzen. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Sortiment von Pappbrillen. Statt Gläsern haben sie Folien, die Auswirkungen verschiedener Sehbehinderungen simulieren: dunkle Flecken im Sichtfeld oder den „Tunnelblick“, bei dem sich das Sichtfeld auf einen kleinen Bereich im Zentrum verengt. Hans Maier lädt dazu ein, eine Brille aufzusetzen und dann am Computer die jeweils geeignete Bildschirm-Darstellung zu finden: Wie groß sollte die Schrift sein? Hilft es, den Kontrast zu erhöhen? Welche Farbkombination ist angenehm fürs Auge?

Blinde (und teilweise auch sehbehinderte) Menschen navigieren am Computer nicht mit der Maus, sondern mit den Pfeiltasten. Tonsignale und Sprachansagen helfen bei der Orientierung. Um Sehenden zu vermitteln, wie blinde Menschen mit dem Computer arbeiten, hat Hans Maier einen einfachen und sehr eindrucksvollen Versuchsaufbau parat.

Er deckt den Bildschirm seines Notebooks bis auf eine einzige Anzeigezeile mit einer Papphülle ab und gibt das Kommando: Auf geht’s, eine E-Mail schreiben! Wer als Sehender den Bildschirm nicht mehr vor Augen hat, verliert sofort die Orientierung. Jetzt heißt es Ruhe bewahren (zumindest Hans Maier bewahrt die Ruhe und erweist sich als motivationsstarker Pädagoge), mit den Pfeiltasten und der Tabulator-Taste spielen und allmählich ein Ohr für die Computerstimme entwickeln, die Texte ohne die gewohnte menschliche Betonung wiedergibt. Aha, hier ist die Adresszeile, darunter der Betreff. Tippen, vorlesen lassen: „Das ist ein rwtst“. Rwtst? Zurück, korrigieren. „Das ist ein Test“, meldet die Computerstimme. Richtig! Per Tab-Taste weiterspringen, schreiben, vorlesen lassen: prima. Und schon schwebt eine blind verfasste E-Mail durchs weltweite Netz und landet Momente später im Postfach der Barrierefrei-Reporterin.

Ein Computer-Bildschirm ist bis auf eine Anzeigezeile mit einer Papphülle abgedeckt. Der Text in der Zeile lautet: „Cursor in Zelle 1“.
Bildschirmfoto einer E-Mail mit folgendem Text: „Ich schreibe eine Mail, ohne viel vom Bildschirm zu sehen. Tolles Experiment.“

Hans Maier ist ein verlässlicher Lotse. Mit seiner Hilfe schreibt die Barrierefrei-Reporterin ihre erste E-Mail „blind“.

Auch Menschen ohne Behinderung profitieren

Inzwischen landen viele Fragen zum Thema Barrierefreiheit auf Maiers Schreibtisch. Heute werde die Barrierefreiheit in der Justiz schon in die frühen Projektphasen einbezogen, berichtet Maier. Akzeptanzprobleme werden weniger. „Das liegt auch an der positiven Erfahrung, die viele Kollegen machen. Nichtbehinderte Menschen erleben die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit, die mit der Barrierefreiheit einhergeht.“ Für sehbehinderte Menschen ist es z. B. wichtig, dass sie die Schriftgröße auf dem Bildschirm stufenlos verändern („skalieren“) können. Davon profitieren auch Normalsichtige. Sie können Schriftgröße, Farben und Kontraste nach ihren persönlichen Bedürfnissen und ihrer „Tagesform“ einstellen.

Es gibt nicht DEN Nutzer mit Behinderung

Wichtig ist für Hans Maier, möglichst viele Anwender in die Entwicklung einzubeziehen. Schließlich gibt es nicht DEN sehbehinderten Menschen und schon gar nicht DEN Menschen mit Behinderung. „Wenn ich klarkomme, bedeutet das nicht, dass auch andere die jeweilige Lösung gut finden.“ Und ein Mensch mit Behinderung ist nicht Fachmann für Behinderung an sich – sondern eben nur für seine. „Für mich war es z. B. interessant zu lernen, dass Menschen, die gehörlos zur Welt kommen und mit Gebärdensprache aufwachsen, sich teilweise mit geschriebener Sprache schwertun. Das ist ein wichtiger Aspekt der Barrierefreiheit: Wir dürfen nicht eindimensional denken.“

Auch „Barrierefrei-Macher“ lernen täglich dazu. Hans Maier arbeitet mit einer Kombination aus Sprachausgabe und Braille-Zeile. Das bedeutet: Der Text auf dem Bildschirm wird vorgelesen, gleichzeitig kann er ihn auf der Braille-Zeile ertasten. Gerät die Computerstimme ins Stottern, weiß Maier, dass das System abzustürzen droht; meist kann er noch rechtzeitig seine Daten sichern. Beschäftigte, die nach Diktat schreiben, nutzen den Computer nur mit der Braille-Zeile. Logisch, schließlich können sie nicht gleichzeitig der Stimme des Richters und der Sprachausgabe lauschen! Sie warnt also auch keine stotternde Computerstimme, wenn das System wackelt. Deshalb ist für sie ein möglichst stabiles System ein besonders wichtiges Barrierefrei-Kriterium.

 

Lärm als Barriere

Ob im Beruf oder privat: In Hans Maiers Alltag ist neben dem Computer das Smartphone ein wichtiges Hilfsmittel. Die schlauen Telefone helfen blinden Menschen bei der Orientierung – im öffentlichen Nahverkehr wie im eigenen Kleiderschrank. Die eine App informiert über die Abfahrtszeiten aller Busse und Bahnen an der gewählten Haltestelle, die andere erkennt unterschiedlichste Kleiderfarben. Ein sogenannter Screen-Reader verwandelt die angezeigten Symbole und Texte in Sprache.

Lärm ist für blinde Menschen eine mächtige Barriere – nicht nur, wenn z. B. laute Klimaanlagen in Zügen die Sprachinfos übertönen. „Unterwegs orientiere ich mich viel durch Schnippen“, erklärt Hans Maier. Die Grundlage: Jeder Gegenstand reflektiert den Schall und das Echo lässt schließen auf Entfernung und Beschaffenheit. „Lärm, z. B. von einer Baustelle, macht das unmöglich.“ Am gefährlichsten sind für Maier in der „analogen“ Welt jedoch mobile Barrieren. „Blinde Menschen nutzen meist vertraute Wege. Unerwartete Hindernisse, z. B. parkende Autos auf dem Gehweg, mobile Verkehrsschilder oder Baustellen, können zu schweren Unfällen führen.“

Bahnsteigrand in einem Bahnhof mit farbiger Markierung und taktilem Bodenleitsystem.

Digitale Anwendungen schaffen ganz neue Freiräume für blinde Menschen. Den Langstock können sie aber (noch?) nicht ersetzen. Die farbig abgesetzten Streifen am Bahnsteigrand sind ein Hinweis für sehende Fahrgäste. Der Streifen mit den Rillen ist ein Hinweis für blinde Menschen. Wenn sie ihn mit ihrem Langstock ertasten, können sie sich gefahrlos über den Bahnsteig bewegen. In der Fachsprache heißen Markierungen wie diese: taktile (also ertastbare) Bodenleitsysteme. Halten Sie diese Streifen möglichst frei, stellen Sie hier kein Gepäck oder Kinderwägen ab.

Ganz ohne Barrieren?

Kann er sich eine vollkommen barrierefreie Umwelt vorstellen? „Wenn unsere Welt ganz barrierefrei wäre, würde manche nette Begegnung verloren gehen“, überlegte Maier. „Es gibt diese Leute, die mich nicht ansprechen, sondern einfach meinen Rucksack anfassen und mich in irgendeine Richtung schieben. Auch, wenn es gut gemeint ist, sollte unangekündigtes An- oder Eingreifen ein Tabu sein. Insgesamt sind die Menschen aber sehr hilfsbereit und behutsam. Ich hatte schon viele nette Gespräche mit Menschen, die mich ein Stück begleitet haben.“

Hans Maiers Tipp für ältere Computerfans

Die Sehkraft lässt nach, vielleicht sind auch die Finger nicht mehr ganz so flink und beweglich? Wer älter wird, muss nicht auf den Computerspaß verzichten. Im Handel gibt es Tastaturen

  • mit größeren Tasten
  • extra großer Schrift
  • kontraststarken Farbkombinationen für Beschriftung und Tasten – wahlweise Weiß auf Schwarz, Schwarz auf Weiß oder Schwarz auf Gelb.

Diese Tastaturen sind für ältere Menschen genauso praktisch wie für sehbehinderte oder motorisch eingeschränkte Menschen. Im Handel werden sie schon für weniger als 30 Euro angeboten. Suchen Sie im Internet z. B. nach „Senioren-Tastatur“ oder „Großschrift-Tastatur“.

Und ein Tipp für alle, die Texte schreiben!

Benutzen Sie Formatvorlagen, wenn Sie Ihre Texte in Kapitel- und Zwischenüberschriften, Fließtexte und Aufzählungen gliedern? Glückwunsch, dann machen Sie nicht nur sich selbst das Leben leichter, sondern auch sehbehinderten und blinden Menschen.

Screen-Reader orientieren sich an Formatvorlagen. Sie teilen dem Nutzer kurz und bündig mit: „Überschrift der Ebene 1“. Zeichnen Sie Überschriften und Hervorhebungen dagegen manuell aus, erfährt der sehbehinderte Mensch z. B.: „Fett, versal, zentriert, Schriftgrad 25 Punkt …“. Äh, wie groß war nochmal die Kapitelüberschrift? Ganz schön unübersichtlich!

Klar, es dauert ein paar Minuten, die Formatvorlagen zu definieren. Doch der kleine Aufwand lohnt sich. Schließlich behalten auch Sie selbst in einem sauber strukturierten Text viel leichter den Überblick und setzen immer die richtige Überschrift.

Glossar

forumSTAR

forumSTAR ist ein Computer-Programm zur Unterstützung der Verfahrensabläufe und Texterstellung bei den Gerichten. Zurzeit haben sich zehn Bundesländer dem Entwicklungsverbund angeschlossen. Grundlage sind eine einheitlich gestaltete Maske sowie gemeinsame Basismodule für alle Fachbereiche. Darüber hinaus gibt es spezielle Aufsätze für die einzelnen Fachbereiche, z. B. Zivil-, Familien-, Nachlass-, Vormundschafts- und Strafrecht bis zu Insolvenz- und Vollstreckungssachen. Im Laufe einer jahrelangen Entwicklung wurde forumSTAR immer weiter verbessert und verfeinert. Ziele sind u. a. eine hohe Nutzerfreundlichkeit und eine barrierefreie Anwendung. Ausgestattet werden rund 8.000 Arbeitsplätze in rund 100 Gerichten allein in Bayern.

Braille-Zeile oder Braille-Display

Ein Gerät, das blinde Menschen an Computer anschließen können. Es gibt alle Texte in tastbarer Punktschrift (Braille) aus. Umgewandelt werden die Texte von einem Screen-Reader.

Punktschrift, Braille-Schrift

Eine Schrift, die Buchstaben in einem Punktesystem darstellt. Die Punkte werden nicht aufs Papier gedruckt, sondern so eingeprägt, dass blinde Menschen sie ertasten können. Die heute verbreitete Punktschrift wurde im 19. Jahrhundert von Louis Braille entwickelt. Braille war selbst blind; sein Schriftsystem passte er perfekt auf die Bedürfnisse blinder Menschen an. Jeder Buchstabe wird durch eine Kombination von maximal sechs Punkten dargestellt. Sie werden in zwei Reihen mit je drei Punkten angeordnet.

Nutzerfreundlichkeit (englisch: Usability)

Nutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit sind eng verwandt.

Barrierefreiheit bedeutet im Computerbereich: Alle Menschen können problemlos alle Anwendungen nutzen, alle Informationen abrufen und sich mit anderen austauschen.

Ein nutzerfreundliches Angebot ist so geplant, gestaltet und programmiert, dass sich Internet-Unerfahrene genauso gut zurechtfinden wie Geübte. Sie finden rasch zum gesuchten Inhalt und können Anwendungen intuitiv (also ohne lange zu überlegen oder gar eine Anleitung zu studieren) und bequem nutzen.

Screen-Reader

Eine Software (also ein Computer-Programm), die sichtbare Informationen in tastbare oder hörbare umwandelt. Das bedeutet: Was sehende Menschen auf dem Bildschirm lesen, können sich sehbehinderte oder blinde Menschen vorlesen lassen oder über eine Braille-Zeile abrufen. Screen-Reader erfassen nicht nur Texte, sondern auch grafische Elemente. Voraussetzung ist, dass jedes Element einen aussagekräftigen Namen trägt, der seinen Inhalt bzw. seine Funktion beschreibt.

Echo-Ortung (auch: Klick-Sonar, Flash-Sonar)

Manche blinde Menschen nutzen die Echo-Ortung, um sich zu orientieren. Sie erzeugen Geräusche, indem sie z. B. mit den Fingern schnippen, mit der Zunge „klicken“ oder mit ihrem Langstock auftippen. Der Schall wird von Gebäuden und Gegenständen in der Umgebung zurückgeworfen. Das Echo einer Hauswand klingt anders als das eines Autos oder einer Hecke. So können sich geübte Nutzerinnen und Nutzer ein äußerst genaues, dreidimensionales Bild von ihrer nahen und ferneren Umgebung machen.

Die Echo-Ortung ergänzt den Langstock und/oder Blindenhund. Gelehrt wird sie im Unterricht in Orientierung und Mobilität.